Der Sammler von Laufstrecken

Wie die Welt eines blind geborenen Menschen aussieht, können sich Sehende nicht vorstellen. Sie “sieht” ja gar nicht aus, sie riecht, sie klingt, fühlt sich an – wobei die Blinden ihr nie dagewesenes Augenlicht nicht unbedingt vermissen. Jakob Herrmann etwa, ein blind geborener Informatik-Student aus Tübingen, fühlt sich nicht behindert – er ist mit seinem Leben zufrieden und will gar nicht wissen, wie das Obst, das er isst, oder der Bus, in dem er fährt, aussehen.

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Eins möchte Jakob Herrman aber an seinem Leben ändern: Er will nicht mehr hinnehmen, dass er und andere Blinde sich in ihren eigenen Heimatstädten verlaufen, nur weil sie den Stadtplan nicht auswendig kennen oder weil auf den Strassen gebaut wird oder weil Ampeln ausfallen. Er will auch verhindern, dass Blinde von Radlfahrern umgefahren werden oder im Winter auf Eis ausrutschen.

Jakob Herrmann hat eine elektronische Navigationshilfe für Blinde entwickelt, die den Alltag von Sehbehinderten erleichtern soll. Es handelt sich um eine Internetseite, auf der Blinde Informationen austauschen können über Strecken, die sie kennen, über aktuelle Fallen und Gefahren: Baustellen, schlecht gekennzeichnete Fahrradwege, Glatteis, kaputte Ampeln. Nächstes Jahr soll die Seite online gehen.

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Jeder wird auf der interaktiven Plattform Audiodateien mit Streckenbeschreibungen hochladen können, frei verfügbar für alle. Jakob Herrmann will mit dem Projekt kein Geld verdienen. Er hofft, dass mit der Zeit eine deutschlandweite Datenbank entsteht, mit deren Hilfe sich Blinde in jeder Stadt zurechtfinden können.

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Ein Kommentar


  1. Ich bin begeistert!
    Finde das Projekt echt gut.
    Da ich selbst sehbehindert bin (derzeit liegt der Visus bei ca. 12%), finde ich es durchaus interessant, wie man sich über die übrigen Sinne orientieren kann. Zwar hoffe ich mich darauf nie einlassen zu müssen, aber ich denke, ein solches Projekt führt zu neuen Denkanstößen und bringt sehbehinderten Menschen wirklich viel.

    Weiter so!


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