Freestyle-Fußballer Camill Hauser
Der große Trickser
Ein Foul hat seine Karriere als Fußballspieler zerstört: Jetzt ist Camill einer der besten Freestyler und steht mit Ronaldinho auf einem Feld.

Camill Hauser ist Freestyle-Fußballer. Der Ball macht immer, was er will. (Foto: Fussballmarkt.com)
Der Fußball scheint schwerelos zu sein. Camill dreht seinen Fuß in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit um den Ball herum. Mit seinem Spann berührt er ihn nach jeder Runde ganz sanft von unten. „Around the world“ heißt der Trick, es ist der Königstrick beim Fußball-Freestyle. Camill beherrscht ihn perfekt – er dreht seinen Fuß 15 Mal um den Ball, 20 Mal, irgendwann kann man nicht mehr mitzählen. Die 69.901 Menschen in der Allianz Arena vermuten eine Fernbedienung in Camills Hand. Oder zweifeln zumindest daran, dass der Fußball echt ist. Magneten? Schnüre? Haftkleber?
Im Magazin liest du dazu:
- Strenge Regeln: An was sich die jungen Fußballer im Internat des VfB Stuttgart halten müssen
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So ist es immer, wenn Camill freestylt. Mit Skepsis kann er aber umgehen. Ein bisschen Misstrauen gehört dazu, macht es ja gerade interessant. Camill ist einer der besten Fußball-Freestyler der Welt. Jetzt steht er auf dem Rasen in der Allianz Arena in München und trickst. Auf jenem Feld, auf dem gleich der FC Bayern gegen den AC Mailand – mit Stars wie Ronaldinho und Franck Ribéry – gegeneinander spielen werden. Camill ist dort angekommen, wo er als Kind schon immer hinwollte: In ein großes Stadion, auf den Fußballplatz mit den besten Kickern der Welt.
Der Fußballspieler Camill wurde aus der Not heraus zum Freestyler
Auch wenn Camill nicht gegen seine Idole spielen wird, ist er auch so schon froh, dass er seine Liebe zum Fußball überhaupt noch leben kann. Und dass er damit Erfolg hat und Anerkennung bekommt. Denn vor fünf Jahren verletzte sich Camill in einem Fußballspiel so schwer, dass es lange nicht klar war, ob er jemals wieder Fußball spielen kann.
Ein verschneiter Fußballplatz nördlich von Stuttgart im Winter 2005: Die A-Jugend der Spielvereinigung Weil der Stadt spielt gegen den Ersten der Leistungsstaffel und führt mit 2:1. Die letzten Minuten. Camill bekommt einen steilen Pass, nimmt den Ball in vollem Sprint an, umspielt mit einem Haken den Torhüter und macht das 3:1. Fast. „Mit dem linken Bein war ich schon am Torwart vorbei“, sagt Camill. „Dann ist er aber auf mein rechtes gesprungen, und das hat nachgegeben. Als mein Trainer kam und mir hoch helfen wollte, ist der untere Teil meines Beins einfach ab Boden liegen geblieben“.
Mit einer Grätsche ist Camills Lebenstraum zerstört
Camills Traum vom Leben als Fußballprofi war mit einem Mal vorbei. „Ich hatte schon als kleiner Junge diesen Traum“, sagt er. Und seine Mutter erzählt die Geschichte, dass sein erstes Wort als Baby „Ball“ gewesen sei. Mit 18 Jahren trainierte Camill drei Mal in der Woche, lebte für das Kicken, wollte Sportabitur machen. Dann grätschte der Torwart aus Illingen heran.
Die Ärzte setzten Camill einen 30 Zentimeter langen Nagel in den Unterschenkel. Das Teil sieht eher aus wie ein Zimmermannsnagel, den Dachdecker am Bau benutzen. Camill hat ihn noch heute in seinem Regal stehen. Er hat nach dem Schien- und Wadenbeinbruch seine Knochen zusammengehalten.
Zwei Jahre plagen ihn die Schmerzen im Bein

Den Ball hochhalten - das kann doch jeder! Sicher? Dann schau Dir dieses Video von Camill an (Klick auf das Bild).
Ein halbes Jahr später nahmen die Mediziner den Nagel wieder aus Camill raus – die Schmerzen im Knie und im Schienbein blieben. Zwei Jahre konnte Camill nicht mal joggen gehen. „Das war dermaßen frustrierend. Ich habe immer gewartet bis es besser wird, aber nichts ist passiert“, sagt Camill. Als er im Internet das Video des Holländers Soufiane Touzani sah, dem damals besten Fußball-Freestyler der Welt, gab ihm das neuen Mut. „Ich wollte unbedingt auch so mit dem Ball jonglieren und habe meinen ganzen Ehrgeiz rein gesteckt“, sagt Camill. Weil er wegen der Schmerzen nicht stehen konnte, trainierte er im Sitzen. Täglich mehrere Stunden. „Das war mein Ausgleich, ich konnte mich ja sonst nicht bewegen.“ Aus der Not heraus hat sich Camill zu einem der besten Sitztrickfußballer der Welt trainiert. Heute steht er wieder, und sein Bein tut nicht mehr weh.
Lies auf Seite zwei, wie Camill der erste Freestyle-Profi Deutschlands werden will.
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