Der große Trickser

Freestyle-Fußball ist eine noch junge Sportart. Aus dem „Ball hoch halten“ hat sich eine Kunstform entwickelt, irgendwo zwischen Artistik und Coolness. Es geht darum, den Ball mit Hilfe von allen erdenklichen Körperteilen in der Luft zu halten. Im Straßenfußball Hollands wurde das Freestyle-Fußball geboren. Vor fünf Jahren kam der Sport in Deutschlands Fußgängerzonen an.

Keiner jongliert sitzend so elegant wie Camill. (Foto: Fussballmarkt.com)

Keiner jongliert sitzend so elegant wie Camill. (Foto: Fussballmarkt.com)

„Faszinierend ist für mich, dass ich andere faszinieren kann“, sagt Camill. „Die Leute flippen manchmal aus, wenn sie das sehen.“ Er bewegt Beine, Arme und den Ball so schnell umeinander, dass die Zuschauer oft nicht mitbekommen, wie er seine Tricks überhaupt macht. Konzentration gehört dazu, und Ballgefühl. Doch am Ende ist Fußball-Freestyle vor allem Show und weit weg vom Fußballspielen.

Camill trainiert jeden Tag zwei Stunden – auch im Winter

Richtige Meisterschaften gibt es aber trotzdem. Camill war schon bei Welt- und Europameisterschaften dabei. Letztes Jahr ist er deutscher Vizemeister geworden.

Zwei Stunden trainiert Camill jeden Tag im Park, der gleich um die Ecke seiner Wohnung in Köln liegt. Dort studiert er seit zwei Semestern Sozialwissenschaften. Trotzdem hat er noch den Traum, irgendwann mal Freestyle-Profi zu werden. „Das wäre ein cooler Job“, sagt er. In England gibt’s so was schon: John Farnworth, der Weltmeister, lebt vom Fußball-Freestyle und tritt in TV-Spots und Musikvideos auf.

Dem Trickreichtum im Fußball-Freestyle sind keine Grenzen gesetzt

So weit ist Camill noch nicht. Aber er übt dafür, will „immer krassere Tricks machen.“ Bald auch Handstände, Salti und Break-Dance-Elemente einbauen und die Grenzen immer weiter verschieben, wie er sagt. „Kein Trick ist unerreichbar.“

Vielleicht hat Camills schwerer Unfall letztlich etwas Gutes gehabt? „Das stimmt. Ohne das Foul wäre ich wohl nie Freestyler geworden“, sagt er. Und er hätte es wahrscheinlich nie mit den Profis auf den selben Platz geschafft. „Ich sehe schon positive Dinge darin“, sagt Camill. „Aber wenn ich könnte, würde ich den Tag im Dezember 2005 trotzdem ungeschehen machen.“

(Lukas Eberle)

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