Verjüngungskur “Marienhof”
Aus Trümmern auferstehen
Die ARD-Serie „Marienhof“ droht, mit ihrer sinkenden Quote unterzugehen. Eine explosive Sanierung soll die älteste deutsche Daily Soap retten.

Bei der Explosion werden sechs alte Schauplätze des "Marienhofs" in Schutt und Asche gelegt. (Bild: ARD/Jo Bischoff)
Ein einziger lauter Knall, kurz danach eine Hitzewelle und überall herumfliegende Glassplitter, dann ist es passiert. Nichts ist mehr so, wie es einmal war: Die Fassade der Fechner-Galerie des „Marienhofs“ liegt in Trümmern.
Schauplatz: Bavaria Filmstudios München. An zwei Tagen pro Woche werden hier die Außenszenen für die tägliche ARD-Seifenoper „Marienhof“ gedreht. Der Dreh zum Einsturz der Fechner-Galerie ist kein normaler Drehtag. Statt der üblichen zwei Kameras sind an diesem Tag sieben im Einsatz, eine davon auf einem zehn Meter hohen Kran. Zwei Dutzend Feuerwehrmänner – echte Feuerwehrmänner, keine Schauspieler – sind ebenfalls da. Sie haben das Gelände gesichert und machen sich nun daran, den Brand – entstanden durch die Explosion – zu löschen.
Startschuss zum „Marienhof“ der Neuzeit

Gina-Lisa Lohfink hat als Studentin Hannah ein Date mit Latin-Lover Carlos. (Bild: ARD/Jo Bischoff)
Regisseur Alexander Wiedl geht nahe an das Chaos heran. Die Explosion ist für ihn ein „dramaturgischer Urknall“, denn der „Marienhof“ soll einen neuen Look erhalten. Nicht nur modernere Geschichten und glaubwürdigere Figuren. Auch die Bildsprache soll sich komplett ändern. Damit ist gemeint: höheres Schnitttempo, neue Effekte, härteres Licht, mehr Details. Insgesamt wird es mehr aussehen wie im Film. „Wir müssen uns an die Sehgewohnheiten der Zuschauer anpassen“, sagt er. Gleichzeitig soll der Einsturz genutzt werden, um neue Charaktere in die Daily Soap einzuführen.
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Zum Beispiel die Zwillinge Lea und Ruth, die von der Straße kommen und auf der Suche nach ihrem verschollenen Bruder im „Marienhof“ Unterschlupf finden. Und auch junge C-Promis – ohne Schauspielerfahrung – sollen mit Gastauftritten ein jüngeres Publikum ansprechen: So wird Ende September die ehemalige Topmodelkandidatin Gina-Lisa Lohfink im „Marienhof“ dem spanischen Café-Besitzer Carlos Garcia kurzzeitig den Kopf verdrehen. Eine Rundumsanierung also, die den „Marienhof“ verjüngen soll.
Schwache Quoten gefährden die Zukunft
Und wie so oft, wenn sich Fernsehmacher ein neues Konzept für eine alte Sendung überlegen, steckt ein ernstes Motiv dahinter: eine schwache Quote. So auch beim „Marienhof“. Seit 17 Jahren, also seit 1992 gibt es den „Marienhof“, seit 1995 läuft die Serie als Daily Soap von Montag bis Freitag im Vorabendprogramm der ARD – am Anfang sogar mit Marktanteilen von mehr als 20 Prozent in der relevanten Zielgruppe. Das damals Neuartige: Es wurden soziale Konflikte aus dem richtigen Leben erzählt.
Im Internet findest du dazu:
- Service: Marienhof-Vorschau
- Service: Portraits aller Darsteller
Doch irgendwann brachten auch andere Soaps so etwas. Der „Marienhof“ verlor an Einzigartigkeit. Kam die Serie 2008 noch auf 9,8 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen, also der werberelevanten Zielgruppe, so lag sie dort im Mai dieses Jahres nur noch bei 8,6 Prozent Marktanteil, das sind rund 1,6 Millionen Zuschauer. Der Galerie-Einsturz sollte den Aufschwung bringen: Ende Juni wurde die Folge ausgestrahlt, mit kleinem Erfolg: nur 1,76 Millionen Zuschauer begleiteten den Neustart der Serie, obwohl die Werbetrommel vorab kräftig gerührt wurde. Auf diesem Stand hält sich die Serie auch derzeit. Ein Neuanfang sieht anders aus.
Fortsetzunge auf Seite 2: Ein neues Führungsteam soll den „Marienhof“ aus dem Quotentief holen.
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