Auf der Wortplantage

Poetry Slam: Porträts und Abstimmung

Auf der Wortplantage

Im FAST-Magazin schreiben drei junge Poetry-Slammer. Wir stellen sie vor und zeigen ihre Performance – auf Video. Wen findest du am besten?

Poet auf der Bühne: David performt im Münchener "Backstage" seinen Text stop.motion

Poet auf der Bühne: David performt im Münchener "Backstage" seinen Text stop.motion

Es ist ein heißer Sommerabend, als wir David, Ana und Kaleb im Münchner “Backstage” treffen. Ende Juli, kurz vor den Sommerferien. David hat noch einmal eine Poetry-Show organisiert und Slammer und Hip-Hopper in die ehemaligen Lagerhallen am Münchener Hauptbahnhof eingeladen. Alle drei treten auf, David und Kaleb mit ihren Texten, Ana als Moderatorin. Eigentlich soll es schon um 19 Uhr losgehen – ganz schön früh eigentlich – doch bis das Publikum eingetrudelt ist, wird es 20 Uhr. Als erstes ist Kaleb dran…

Kaleb Erdmann, 18

kaleb erdmann

Kaleb Erdmann: Das Video seines Auftritts siehst du, wenn du auf sein Bild klickst.

„Am schwierigsten ist es, ein Thema zu finden“, sagt Kaleb. Manchmal sucht er zwei oder drei Monate nach einem geeigneten Thema , über das er schreiben kann. Wenn er eines gefunden hat, geht alles sehr schnell: „Dann schreibe ich das in ein paar Stunden runter“. Kaleb hat einen Text übers Textschreiben geschrieben, sein erster Text, den er für einen Poetry-Slam gemacht hat. Er hatte kein Thema, also schrieb er übers Schreiben. Beim ersten Auftritt hat das Blatt in der Hand gezittert, haben die Knie geschlottert. Aber er schaffte es beim Slam gleich auf den zweiten Platz. „Ich schaue schon, dass ein Text publikumstauglich ist“, sagt Kaleb.

Im Magazin liest du dazu:

Geschrieben hat der heute 18-jährige Kaleb Erdmann immer schon. Denn wann er damit eigentlich angefangen hat, daran kann er sich gar nicht erinnern. Gedanken, Verse, alles Mögliche – und fast immer reimt es sich. „Ich kann ganz schwer nur Texte schreiben, die sich nicht reimen“, erzählt er. Nächstes Jahr macht er Abitur und dann will er erstmal nach Berlin ziehen. „München finde ich nicht mehr so inspirierend“, sagt er, „in Berlin kann man viel mehr interessante Menschen kennen lernen“. Sein Text-Text war übrigens der Auftakt zur Poetry-Show im Münchner Club „Backstage“ …

Ana Ryue, 17

Anna Ryue

Ana Ryue: Klick auf ihr Bild, wenn du das Video ihres Auftritts sehen willst.

„Ich schreibe über ernste Themen“, sagt Ana Ryue. Ein paar Mal hat Sie versucht, lustig zu schreiben – und hat es dann sein lassen. Irgendwie kam ihr das Geschriebene nicht authentisch vor. Wenn sie selbst aus dem Text sprechen soll, wird es ernst. Automatisch. Denn fast immer geht es bei ihr um Gefühle. „Gefühle kann man kaum in Worte fassen“, sagt sie, „es gibt so viele verschiedene Ausdrücke für ein Gefühl.“ Und keiner trifft´s genau. Und das ist es, was Ana spannend findet.

Seit vier Jahren schreibt sie Texte, „bei einem Poetry-Slam habe ich noch nie gewonnen“, erzählt sie und es klingt nicht so, als ob sie sich darüber sehr ärgert. Mit ernsten Texten hat man es im Slam-Circus nicht leicht, aber Ana kann nicht anders. „Privat möchte ich nicht so gerne im Mittelpunkt stehen, aber auf der Bühne genieße ich die Aufmerksamkeit.“ Bewunderung bekommen ist schön, sagt sie. Bewunderung für etwas Selbstgemachtes, für etwas Persönliches, das Ana auf der Bühne ausdrückt. Die Poetry-Show im „Backstage“ hat sie moderiert, ihren Beitrag haben wir deshalb kurz davor auf der Bühne aufgenommen…

David Friedrich, 18

David Friedrich

David Friedrich: Ein Klick auf sein Bild - und du siehst das Video seines Auftritts.

„Eigentlich schreibe ich jeden Tag etwas“, sagt David. Zum Beispiel in der Schule, während des Unterrichts. In der Oberstufe darf man das. Er jedenfalls. „Die Lehrer respektieren es, ich schreibe nicht im Unterricht mit, sondern mache einen neuen Text“, sagt er und zieht ein kariertes Blatt heraus, das er morgens vollgeschrieben hat. „Ich experimentiere viel mit Sprache, mit Reimen“, erzählt er, auch ein Theaterstück hat er versucht zu schreiben, „bin aber nur ein paar Szenen weit gekommen.“

stop.motion ist einer seiner Lieblingstexte. „Es ist eine Aneinanderreihung von verschiedenen Bildern, verschiedenen Einfällen“, sagt er. „Ich bin ja noch so jung“, sagt er ironisch grinsend, „und noch ein bisschen unreif und da habe ich Probleme mit Ordnung und Struktur.“ Also sucht er sich für die Texte feste Formen, in die er seine Geistesblitze füllen kann. Möglichst frei und assoziativ. Und mit Witz. „Wenn ich ein Vorbild nennen müsste, dann würde ich Erich Kästner sagen.“ Dessen Humor hat es David angetan.

Vor dem Auftritt im „Backstage“ schwirrt er hinter der Bühne herum, geht noch einmal die Texte durch – und trinkt ein bisschen Bier… Ana über David: „Er ist für die Bühne geschaffen.“

Die Umfrage: Wer ist der beste Poetry Slamer?

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(Clemens Haustein)



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