Cola-Flaschen im Märchenschloss

Sechs Gründe, die gegen werbefinanzierte Computerspiele sprechen:

  1. Das Umfeld: Firmen wollen für ihre Markenartikel ein spezielles Werbeumfeld. Das Spiel soll zur Marke passen. Nicht ganz einfach: Autofirmen wollen zum Beispiel nicht, dass ihre neuesten Modelle zu Schrott gefahren werden. Ihre Autos wollen sie oft nur in Spiele integrieren, in denen Kratzer ausgeschlossen sind. Doch Rennspiele ohne Blechschaden kommen bei den Zockern nicht an.
  2. Das Image: Computerspiele werden oft mit Killerspielen in Verbindung gebracht. Unternehmen, die in einem Game Werbung schalten wollen, haben daher Angst, unter dem negativen Image der Egoshooter zu leiden. „Sobald in einem Spiel geschossen wird, ist es schwer, Werbekunden zu finden“, sagt Hannes Fischer. Geschossen wird aber in ziemlich vielen Games.
  3. Die Programmierdauer: Computerspiele haben eine Entwicklungszeit von etwa zwei Jahren. Design und Grafik sollen auf dem neuesten Stand sein – auch bei Werbespielen. Unternehmen wissen aber oft nicht, welche Produkte sie so lange im Voraus bewerben sollen.
  4. Die Lebensdauer: Wenn ein Spiel einmal auf dem Markt ist, ist es nicht mehr so leicht möglich, es zurückzuziehen. Im Fernsehen oder in Zeitschriften ist Werbung immer zeitlich begrenzt – in der virtuellen Welt bleibt sie erhalten. Falls ein Unternehmen nach Jahren sein Image ändert, hat die Werbung in den Games immer noch die alten Aussagen.
  5. Die Spielwelten: Welche Firma will in einer Fantasywelten von World of Warcraft oder Morrowwind werben oder in einem dunklen Zukunftsszenario wie etwa bei Fallout? Kein Deo, kein Energy Drink und kein Auto lässt sich sinnvoll in die Fantasywelten einbinden, kein Produkt darin vermarkten. Volker Hansch, vom GEE Magazin für Videospiele: „Je schwerer es ist, Produktschnittstellen zu finden, desto unwahrscheinlicher ist Werbung.“
  6. Die Spieler: Werbung nervt. Das ist schon im Fernsehen so. Falls Unternehmen virtuelle Welten mit ihren Banner zustellen, könnten sich Spieler daran stören. Zwar erhöht echte Trikotwerbung bei einem Sportspiel die Glaubwürdigkeit, zuviel Werbung kann den Spieler aber ablenken. Die Frage der Werbeplaner: Wie viel Werbung vertragen die Spieler?
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Hannes Fischer glaubt dennoch, dass sich Games für Werbung eignen. „Bei Computerspielen ist die Interaktion mit der Zielgruppe einmalig, im Fernsehen verpufft die Werbewirkung: Die Zuschauer zappen weg oder holen sich etwas zu trinken.“ Bei Computerspielen haben die Spieler dagegen noch nicht gelernt, die Werbung zu vermeiden. Erfolgreiches Beispiel für In-Game-Werbung: Obamas digitaler Wahlaufruf kam an. Zwar haben nur wenige Zocker die Werbeposter in den Games wirklich gesehen, aber Spieleportale waren voll mit Screenshots und Kommentaren. Ein gelungener PR-Gag.

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Im Netz bieten Hersteller viele Spiele kostenlos an – aufwändig programmiert und voll zugänglich. Geld verdienen sie dadurch, dass sich Spieler zusätzliche Ausrüstung oder ausgefallene Kleidung kaufen. Das spart den Zockern Zeit und sichert ihnen kleine Vorteile.

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(Florian Meyer)

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