Was sagen eigentlich die Eltern dazu, wenn ihre Tochter beschließt in ein Kriegsgebiet zu gehen? Und wie reagiert man, wenn man dann ständig gefragt wird: „Ist das nicht gefährlich?“ Die Journalistin Susanne Fischer im KLARTEXT-Gespräch.
Die Journalistin Susanne Fischer gab 2003 ihre feste Stelle als Redakteurin in Hamburg auf, um in den Irak zu gehen. Später bildete sie dort drei Jahre Journalisten aus, unter hohem persönlichen Risiko. Sie selbst bezeichnet sich als Weltenbürgerin, lebt heute im Libanon.
KLARTEXT: Gab es Reaktionen auf Ihren Aufenthalt im Irak, die Sie gestört haben?
Susanne Fischer: Als ich noch im Irak war und zu Besuch nach Deutschland kam, hat mich die Frage noch wahnsinnig genervt: „Ist das nicht gefährlich?” Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Einerseits kann ich die Leute verstehen, die nur die Fernsehbilder über den Krieg sehen. Trotzdem hat es mich sprachlos gemacht. Manchmal habe ich auf Partys deshalb Leuten, die ich nicht kenne, gar nicht erzählt, was ich mache und behauptet, ich sei Lehrerin.
Wie haben eigentlich ihre Eltern reagiert, als sie beschlossen hatten, in den Irak zu gehen?
Dass ich immer viel unterwegs bin, waren sie bereits gewohnt. Als ich in den Irak wollte, hat mein Vater sehr cool reagiert. Er sagte so etwas wie: „Interessante neue Karrierestufe.“ Sie waren aber auch ganz glücklich, als ich 2008 in den Libanon gezogen bin. Wahrscheinlich wären auch nicht alle Eltern froh darüber, wenn ihr Kind im Libanon lebt – aber im Vergleich zum Irak erschien ihnen das sicherer. Sie haben mich sogar in Beirut besucht, obwohl sie über 80 sind – und es hat ihnen gut gefallen.
Sowohl der Irak als auch der Libanon sind vom Krieg gezeichnet. Wie nehmen Sie die beiden Länder wahr?
Für mich sind es zwei Welten. Als ich vom Irak in den Libanon gekommen bin, hatte ich das Gefühl, im Paradies gelandet zu sein. Mein Leben hier ist total anders. Im Irak war ich auf eine gewisse Weise immer eingesperrt, konnte mich nicht frei bewegen. Weil ich als Ausländerin wahrgenommen wurde und ich mir extreme Beschränkungen auferlegt hatte, einfach aus Vernunft. Hier im Libanon leben viele Ausländer. Die Libanesen sind ein sehr offenes Volk. Ich kann an den Strand, in die Berge fahren, es gibt Sushi-Bars. Ich kann einfach ganz normal leben.
Gibt es heute noch Situationen, in denen Sie nicht mehr tolerant sein können?
Es gab kürzlich eine Szene am Flughafen am Check-in-Schalter. Ich hatte die Tickets und sprach den Mitarbeiter an, mein Mann stand neben mir. Der Beamte von der Fluggesellschaft ignorierte mich und tat so, als wollte mein Mann einchecken. Das kann im Nahen Osten überall passieren, einfach weil die Autoritätsperson im Allgemeinen der Mann ist. Es gibt Situationen, bei denen ich weiß, es hat jetzt keinen Sinn zu diskutieren. In so einem Moment merke ich dann eben doch, dass ich Europäerin bin und werde auch mal wütend.
Beirut hat eine gewisse Tragik, es liegt wunderschön am Mittelmeer – aber man sieht der Stadt die Spuren des Bürgerkriegs an. Wie sehen Sie Beirut?
Für mich ist die Stadt wie eine Person, eine sehr starke charakterfeste Person, die aber eben auch diese Verletzung erlebt hat. Die sich dann aber trotzdem immer wieder aufrappelt, weitermacht, sich verändert, gegen neue Verletzungen kämpft und einfach auch nicht die Wahl hat, stehen zu bleiben. Das macht es eigentlich so spannend hier.
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Susanne Fischer:
Warum sie sich überall zuhause fühlen kann, aber ein Leben lang zwischen zwei Stühlen sitzen wird. Ein Protokoll über die Grenzgängerin aus E-Mail, Interview und Blog.
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Susanne Fischers Website:
Dort bloggt sie interessante Geschichten aus dem Libanon.








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