
Ob es noch lange Wahlplakate gibt? (Foto: m.p.3)
Trotz der Nichtwähler: Die meisten Bürger wollen mehr Macht. Die Politik der Zukunft läuft themenbezogen und setzt auf den Einzelnen. Doch die Parteien geben nicht kampflos auf.
Ein Klick reicht, um mitzubestimmen. Dank vieler Klicks ist David Hicks heute frei. Der Australier saß jahrelang im US-Knast Guantanamo. Ohne große Hoffnung, heimzukehren. Bis vor fünf Jahren ein paar online-affine Aktivisten von GetUp! auf ihn aufmerksam wurden und eine Kampagne auf die Beine stellten, die wie ein Tornado über Australien fegte. Heute ist David Hicks ein freier Mann und GetUp! eine der mächtigsten Kampagnenorganisationen weltweit.
Deutschland hinkt bei der Online-Politik etwas hinterher. Vorreiter im Netz ist das Webportal politik-digital. Die Macher wollen die Distanz zwischen Bürgern und Politikern verringern. Einen etwas anderen Weg, so wie GetUp! in Australien, gehen die Kampagnenorganisationen Avaaz und One – beide agieren global, beide wollen Druck entfalten und die Politik zu Entscheidungen bewegen. Seit drei Jahren leitet Tobias Kahler das Büro von One in Deutschland. Der 32-Jährige gilt als gut vernetzt in der Berliner Politikszene, unter anderem war Kahler zwei Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift „Politik & Kommunikation“.
Die Rentner verändern alles
Die politische Landschaft in Deutschland verändert sich. Zwar langsam, aber doch stetig. Das Parteiensystem bricht immer stärker auf. Die Freien Wähler bilden erst den Anfang: Die Union wird nicht mehr länger den demokratischen, rechten Rand für sich beanspruchen können, die Konservativen rund um Merz und Mappus scharren schon mit den Hufen. Einer der einflussreichsten Meinungsforscher in Deutschland, Klaus-Peter Schöppner von Emnid, räumt einer neuen Partei rechts von der CDU/CSU ein Potenzial von zwanzig Prozent ein. Nicht zu unterschätzen sind auch die Rentner: Sie werden schon in wenigen Jahren die wichtigste Wählergruppe bilden.
„Ihr müsst die Rentner einfach einbinden“, rät Sam McLean, einer der Senior Campaigner von GetUp!. Gerade ältere Menschen seien interessiert daran, wie sich die Gesellschaft entwickelt. Überraschend viele Rentner würden an den Kampagnen teilnehmen. Ein weiterer Vorteil habe sie selbst überrascht: „Die meisten Rentner wünschen sich, dass die junge Generation vorankommt.“ In Deutschland harmonieren die Generationen noch nicht wirklich miteinander. An den entscheidenden Schaltstellen sitzen Vertreter der 1950er-Generation, zu der auch Angela Merkel zählt.
Parteifreie erobern Bürgermeisterposten: Lesen Sie mehr auf Seite 2
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