“Bielefeld hat Helden”

Bielefeld gibt es nicht, behauptet das Internet. Bielefeld gibt es doch, behauptet Fabio Magnifico. Der Produzent hat “Die Bielefeld-Verschwörung” verfilmt. Ein Interview

Von Sebastian Reuter

Illustration: Judith Urban

Seit über 15 Jahren gibt es Zweifel, ob die Stadt Bielefeld existiert. Verschwörungstheorien im Internet behaupten, böse Mächte hätten dort nur eine Kulisse erschaffen um wahlweise John F. Kennedy versteckt zu halten, mit Außerirdischen zu experimentieren, oder sich auf den Weltuntergang vorzubereiten. Der Produzent Fabio Magnifico bringt “Die Bielefeld-Verschwörung” nun in die Kinos. Mit volt online spricht er über seinen Film, seine Heimatstadt und deren Image.

volt: Klären Sie als Bielefelder uns bitte auf. Gibt es Ihre Stadt nun, oder nicht?
Fabio Magnifico: Nun ja, sagen wir so: Es gibt wirklich Leute, die bis heute glauben, Bielefeld existiere nicht. Ganz am Anfang von Google Earth war die Stadt sogar dort für längere Zeit einfach verschwunden. Wegen eines Kartenfehlers waren ausgerechnet an der Stelle wo Bielefeld sein sollte nur Wiesen und Wälder zu sehen. Aber – und da darf jeder beruhigt sein – uns gibt es natürlich.

Trotzdem halten sich die Verschwörungstheorien nun schon seit über 15 Jahren und sind derzeit bekannter denn je.
Es gibt ja auch wirklich Dinge in dieser Stadt, die keiner versteht. Die Stadtbahn hat zum Beispiel die Linien 1,2, 3, 4 und 10. Da fragt man sich doch: Was ist mit den Linien fünf bis neun geschehen?

Das ist wahr. Sie haben diese rätselhafte Geschichte nun verfilmt. Wie kam es dazu?
„Die Bielefeld-Verschwörung“ ist ein Projekt, das wir an der Uni in Bielefeld durchgeführt haben. Ich bin dort Dozent für Medienpädagogik. Die Idee aus diesen ganzen Theorien und Behauptungen einen Film zu drehen verfolge ich schon seit 13 Jahren. Wirklich ernsthaft wurde es aber erst 2009, als ich mit einem Kollegen von der Universität darüber nachdachte, welche Story sich für einen richtig guten Spielfilm eignen würde.

In dem Film geht es um die mysteriöse Vereinigung „S.I.Ekom“, die Bielefeld unter Kontrolle hält. Sie lässt aufmüpfige Einwohner verschwinden und sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit nichts von den dunklen Geheimnissen dieser Stadt erfährt. Klingt ziemlich absurd, oder?
Die ganze Story dieser Verschwörung aus dem Internet ist perfekt für einen Agenten-Thriller à la James Bond. Die Bielefelder beginnen sich langsam gegen diese dunkle Macht zu wehren und lehnen sich gegen sie auf. Wir finden, das ist ein fantastisches Thema und genauso spannend, überdreht und abgefahren wollten wir es auch umsetzen.

Ist das nicht etwas zu viel Hollywood für eine Stadt wie Bielefeld?
Bielefeld ist jahrelang nur verspottet worden, weil es angeblich so langweilig ist. Alle haben gesagt „Bielefeld? Gibt es doch gar nicht.“ Wir sagen: „Das geht so nicht weiter.“ Deswegen gibt es diesen Film. Jeder Einwohner von Bielefeld ist Opfer dieser ganzen Verschwörung und verdient es, dass wir diesen Mythos in ein rechtes Licht rücken.

Und wie geschieht das?
Ich will natürlich nicht zu viel verraten. Aber unsere Geschichte dreht sich um Helden. Bielefeld hat Helden. Das ist das Wichtigste, was wir erzählen wollen.

Das hört sich ja schon etwas nach einem Werbefilm für Bielefeld an. Kann die Stadt mit der Verschwörung sein graues und tristes Image aufpolieren?
Ich denke schon. Im Grunde ist diese ganze Geschichte schon sehr positiv für die Stadt. Der Film verstärkt das jetzt hoffentlich noch. Menschen aus ganz Deutschland reden über uns, kommen hierher und schauen sich hier um. Außerdem berichten ja auch viele Zeitungen und Fernsehsender über die Bielefeld-Verschwörung. Das macht Bielefeld im ganzen Land populär und hoffentlich auch ein bisschen sympathisch.