Mit allen Mitteln


Es ist Rushhour. Dein Partner wartet. Der Brief muss noch weg. Wie kommst Du am schnellsten von A nach B? Der Test

Von Florian Haas & Sebastian Reuter

Die Stadt: München. Der Start: Deutsches Museum. Das Ziel: Der Olympiaturm. Die Regeln: Jeder der fünf Starter darf nur ein Verkehrsmittel benutzen, muss auf dem Weg einen Brief einwerfen und eine Blume kaufen. Die Frage: Wer wird das Stadtrennen gewinnen? Der Fahrradfahrer oder der Segway-Roller, der Favorit in der U-Bahn oder die Außenseiter mit Trambahn und Bus? Es ist ein sonniger Dienstagmorgen, die Uhr zeigt 9.45 Uhr – und das Rennen durch die Stadt beginnt.

U-Bahn: 00:48:17
Fabian Reinbold

Fabian Reinbold auf den Treppen der U-Bahnstation Olympiazentrum.

Im Sprint aus der U-Bahnstation. Fotos: Thomas Klinger

Das wird ein Kinderspiel! Nichts ist in der Stadt schneller als die U-Bahn. Schnell kommt die Ernüchterung: Rings ums Museum hält keine U-Bahn. Also schlängele ich mich über den Viktualienmarkt zum Marienplatz. Dort werfe ich unter einem Rathausbogen nach 13 Minuten den Brief ein: spät, aber mit Stil. Blumen? Kaufe ich später. Schnell drei Rolltreppen runter. Auf dem Bahnsteig sehe ich meine U3 – zumindest die Rücklichter. Sechs Minuten warten. Die Stoppuhr zeigt 21 Minuten, als ich in der Bahn sitze. Acht Stationen, ohne umsteigen. Ich habe Beinfreiheit – und erste Sorgen um die Blumen. Nächster Halt: Olympiazentrum. Ich sprinte die Treppe hoch. Oben: ein Kiosk, ohne Blumen. Im Park pflücke ich Gänseblümchen. Blumen kaufen kann jeder. Der Turm ist nah. Leichter Laufschritt, die Blümchen fest im Griff. Guter dritter Platz!

Bus: 01:37,22
Benjamin von Brackel

Keine Chance: Die Busfahrt durch München hat Benjamin von Brackel viele Nerven gekostet.

Ohne Chance: Mit dem Bus durch München

Der Bus also. Ungelenk, schwer, träge. Ein Sieg? Schwer, sehr schwer. Aber nicht unmöglich! Und siehe da: Prompt rollt ein Bus in die Fraunhoferstraße. Der Sprint lohnt sich, alles scheint offen! Doch dann die Enttäuschung: Der Fahrer sagt, es fahren keine Busse zum Olympiazentrum. Nicht das, was ich hören will. Am Marienplatz steige ich aus, suche den Fahrkartenschalter. Eine Dame blickt auf den Bildschirm, flüstert Busnummern vor sich hin, wechselt auf Lesebrille. „Er will mit dem Bus zum Olympiazentrum“, sagt sie zu ihrer Kollegin. Die schüttelt nur den Kopf. Also Fußmarsch zur Giselastraße. Zweimal steige ich in Busse, die nach 200 Metern abbiegen. Frust. Eine Stunde bis zur Münchner Freiheit. Vom 53er in den 154er – und den Olympiaturm in Sicht. Ich stiefele über den Hügel. Die anderen sind schon da. Aber ich bin durchgekommen!

Segway: 00:41:48
Florian Haas

Überraschungssieger: Mit staunenden Blicken bedacht, bahnt sich Florian Haas auf dem Segway seinen Weg durch München

Auf dem Segway durch die Stadt

Ich hasse dieses Ding. Schwer zu lenken, schwer zu fahren. Segway, mein Stairway to hell. Gas gebe ich durch Vorkippen des Körpers, gebremst wird mit Zurücklehnen. Ich bremse viel, während ich die Isar lang zuckele. Ein Jogger überholt. Autofahrer schauen verwundert, Fußgänger schütteln den Kopf. Schamgepeinigt rolle ich zum Odeonsplatz. Doch plötzlich läuft es. Bremsen war gestern, ich gebe Vollgas. Nennt mich Easy Rider! Ich schwebe über die Ludwigstraße, ziehe elegant an Radfahrern vorbei. Nach 17 Minuten versenke ich den Brief – ohne abzusteigen. Dann Kopfsteinpflaster. Und fast ein Sturz bei 23 km/h. Glück gehabt! Ich erspähe einen Blumenladen, kaufe eine Rose, ächze einen Hügel hoch, fliege ins Ziel. Die Uhr sagt: 41 Minuten. Das Gefühl sagt: Letzter. Der Mann am Ziel sagt: Erster. Erster! Ich liebe dieses Ding.

Tram: 01:35:02
Manuela Antosch

Gemütlich, aber langsam: In der Tram hatte Manuela Antosch keine Chance auf den Sieg.

Gemütlich, aber langsam: Die Fahrt in der Tram

Florian rast auf dem Segway an mir vorbei. „Viel Spaß!“, ruft er und grinst. Na toll. Jetzt fährt mir auch noch die Tram vor der Nase weg. Klasse. Kurz darauf kommt die nächste Bahn. Nach gut zehn Minuten der erste Erfolg: ein Blumenladen! Nach einer halben Stunde bin ich am Stachus. Ein Blick auf den Plan, schon ist die richtige Tramlinie gefunden: Ich warte. Niemand steht neben mir. Eine Durchsage: „Wegen Gleisbauarbeiten fährt die Linie 27 nicht.“ Mist. Nochmal zum Plan: Tram suchen, Gleis suchen, warten. Dann geht es voran. Nach einer Stunde sehe ich den Olympiaturm. Juhu. Nach langem Fußmarsch durch den Park kurz vor dem Ziel der Schreck: Ich habe den Brief vergessen! Bis zum nächsten Kasten dauert es zehn Minuten. Nach mehr als 90 Minuten werde ich im Ziel empfangen. Letzte bin ich nicht geworden

Fahrrad: 00:43:23
Diana Aust

Vor der Silhouette des Olympiastadions rast Diana Aust dem Ziel entgegen.

Auf dem Rad den Olympiaberg hinab.

Mein Albtraum: Fahrrad fahren. Noch dazu ein Mountainbike mit Herrenstange. Ich rase los in die Innenstadt. Mit 30 Sachen auf dem Radweg – zack, schon verfahren. Dreimal halte ich, gucke auf den Plan. Wieder in Fahrt ruft eine Frau mir nach, mein Stadtplan liegt auf der Straße. Ich werde panisch. Wie viel Zeit ist vergangen? Endlich, ein Briefkasten. Einwurf: 14 Minuten 43 Sekunden! Weiter zum Hauptbahnhof, hier kenne ich mich aus. Taxis, Fußgänger, Koffer versperren den Weg zum Blumenladen – weg da! Mit der Rose unterm Arm pese ich weiter. Eine rote Ampel, zwei rote Ampeln, nach der fünften höre ich auf zu zählen. Endlich, der Olympiaturm. Dazwischen: grüne Hügel. Ich strample bergauf, den Turm vor Augen. Bald schiebe ich schwitzend und krieche wie eine Schnecke. Ich bin fast da, und… leider nur Zweite.