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“Ich scheisse auf ziemlich viel”

Das Internet hat MTV zerstört. Markus Kavka ist jetzt freier. Ein Gespräch über Computerdeppen, Gruftis und sein Leben nach dem Musikfernsehen.

Googelst du dich selbst?

Früher mal, jetzt nicht mehr so oft.

Damit liegst du im Trend. Laut Statistik suchen immer weniger Menschen im Internet nach Markus Kavka. Enttäuscht?

Nö, überhaupt nicht. Was hätte man für einen Grund, mich jeden Tag zu googlen? Ich mache es selber nicht und kann es völlig verstehen, wenn man das nicht braucht. Ob mich jetzt 100 000 weniger Leute im Jahr googeln als noch vor ein paar Jahren, ist eigentlich scheißegal.

Du hast einmal gesagt, dass du ein ziemlicher Computerdepp bist.

Ja, das war ich. Ich konnte gar nichts selber. Ich hatte noch nicht mal WLAN zu Hause. Dann bin ich immer mit meinem Zehn-Meter-Kabel und dem Rechner dran durch die Wohnung geschlichen. Wenn mal das Internet abgeraucht ist, wusste ich überhaupt nicht weiter. Da mussten mir Fachleute helfen.

Und heute?

…ist es nicht viel anders, wobei ich mich schon ein bisschen mehr auskenne. Für schlimme Fälle gibt es in Kreuzberg einen total coolen Mac-Doktor. Der hat gar keinen Laden, man ruft den einfach an und dann kommt er. Wenn er geht, ist der Rechner wieder heile.

Du hast etwa 5000 Fans auf Facebook und knapp 40 000 Menschen folgen dir auf Twitter. Kümmerst du dich selber um diese Dinge?

Ja. Aber für die Fanseite bei Facebook, da gibt’s außer mir noch drei Administratoren, Leute aus meiner Agentur, die auch dort schreiben. Ich nutze Facebook und Twitter ohnehin nur businessmäßig. Meine guten Freunde sind bei Facebook gar nicht mit mir befreundet, weil ich sie unter diesen 5000 Leuten wahrscheinlich gar nicht finden würde.

Das Internet hat dem Musikfernsehen schwer zugesetzt. Was bedeutet das für Markus Kavka, der durch das Musikfernsehen berühmt geworden ist?

Ich sehe mich in erster Linie als Musikjournalist und das ist eine zeitlose Profession. Ich bin ja auch nicht bei MTV gelandet, weil ich so ein süßer Boy bin, der unbedingt mal vor die Kamera musste. Sondern ich war lange Jahre vorher Musikredakteur bei Print, Radio und im Fernsehen hinter der Kamera. Die zehn Jahre bei MTV waren bestimmt meine schönsten und aufregendsten. Aber Musikfernsehen war ein Ding der 90er. Es schaut auch keine Sau mehr.

“Ich bin tiefenentspannt.”

Markus Kavka

Jetzt bist du Musikjournalist, Buchautor, DJ, Moderator – kannst du dich nicht entscheiden?

Es macht einfach Spaß. Das Ende meiner festen Stelle bei MTV war für mich eine ziemliche  Umstellung. In meiner Anfangszeit als Freischaffender hatte ich leichte Panikattacken. Ich war davon abhängig, ob jemand Bock hatte, was mit mir zu machen. Mittlerweile finde ich das Dasein als Freier ganz gut. Ich bin gerade ganz tiefenentspannt.

Sieht man dich künftig mehr im Fernsehen oder im Internet?

Das ist mir egal. Ich arbeite überall mit dem gleichen Eifer. Meine Internetprojekte auf Myspace und für das ZDF habe ich  auch nicht nur mit der halben Arschbacke gemacht. Kann gut sein, dass ich demnächst was für’s Netz mache, aber ebenso gut, dass man mich bei einem öffentlich-rechtlichen Digitalkanal mit irgendeiner Sache rumhüpfen sieht.

Wen findest du cool?

Robert de Niro und Al Pacino. Die haben eine Naturcoolness. Man merkt, dass sie sich nichts mehr beweisen müssen. Das ist der Inbegriff von Coolness: dass man einfach auf alles scheißen kann.

Im zweiten Teil: “Früher habe ich Frauen mein Herz zur freien Verfügung gestellt.”

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Artikel verfasst am 19. August 2011

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