Kavka1

“Ich scheisse auf ziemlich viel”

Wen findest du uncool?

Ich bin immer ein wenig irritiert, wenn ich Florian Silbereisen im Fernsehen sehe. Er scheint ein mit allen Wassern gewaschenes Bürschchen zu sein. Aber ich finde es komisch, wenn man in dem Alter so eine Sendung moderiert.

Haben das manche in deiner Endzeit bei MTV vielleicht auch über dich gedacht?

Möglich. Ich könnte es auch verstehen, wenn Leute Anfang zwanzig sagen: Was will denn der alte Mann da? Aber Arbeitsverträge bei MTV beinhalten nicht, dass man mit vierzig aufhören muss. Ich hätte aufgehört, wenn ich gemerkt hätte, dass das, was ich erzähle, für jüngere Menschen keine Relevanz mehr hat. Aber ich habe gemerkt, dass sie mir zuhören. Nicht alle natürlich, aber wer bitteschön kann das von sich behaupten?

Du bist jetzt 44. Wie wär’s mit Kindern?

Irgendwann mal. Aber das ist jetzt nicht ganz oben auf der Agenda. Wenn das zufällig passiert, super. Wenn es die nächsten zehn Jahre oder nie passiert, auch super. Dann wird es einen Grund haben.

Und heiraten?

Ich hatte oft sehr lange Beziehungen und an irgendeinem Punkt dieser Beziehungen war heiraten auch mal ein Thema. Bevor alles in Sack und Tüten war, war dann aber schon wieder aus die Maus. Ich bin jetzt seit fast sieben Jahren mit meiner Freundin zusammen, aber wir haben noch gar nicht drüber geredet, weil es ihr nicht so wichtig ist und mir mittlerweile auch nicht mehr. Wenn jetzt zufällig ein Kind um die Ecke käme, dann könnten wir noch mal darüber reden, ob man dann auch heiratet.

Was ist deine kleinbürgerliche Seite?

Ich bin ein ganz normaler bayerischer Dorfbub. In meiner Jugend hatten wir ein Haus am Waldrand. Das versuche ich auch heute in Berlin ein bisschen zu haben. Ich lebe zwar mitten in Kreuzberg, aber um mich herum sind Wasser und Bäume. Das ist mir wichtig. Ich weiß nicht, ob das jetzt spießig ist. Andererseits lebe ich zwar zwischen Bäumen und Wasser, aber das könnte ich auch nicht dauernd aushalten. Unterm Strich treibe ich mehr auf der Meile herum, wo ein Club neben dem anderen ist.

Als bayerischer Dorfbub warst du sicher auch Ministrant.

Ja, lange. Als Johannes Paul II. mal in München auf der Theresienwiese war, durfte ich sogar Teil der Ministranteneskorte sein. Als der Papst an mir vorbeigegangen ist, hat er mich tatsächlich am Arm berührt. Da war ich schon Grufti. Da hat sich der Papst vielleicht auch ein bisschen gewundert, was jetzt der Junge mit den schwarzen Haaren da macht. Aber bitteschön, es kann ja auch ein Grufti Ministrant sein, ist ja nicht verboten.

„Hamma wieder was gelernt“?

Der Spruch stammt im Original von meinem Lateinlehrer Dr. Schilcher. Der sagte das am Ende jeder Unterrichtsstunde. Aber was ich tatsächlich in meinem Leben gelernt hab, ist mein Verhalten in Beziehungen. Früher habe ich Frauen mein Herz zur freien Verfügung gelassen. Und meine eigenen Bedürfnisse hinten angestellt. Deshalb scheiterten meine Beziehungen. Heute ist das anders und funktioniert wunderbar. Außerdem kann ich mittlerweile Autos reparieren. Ich fahre immer so alte Karren und kann da jetzt auch selbst was richten. Darauf bin ich relativ stolz. Auch mein Papa ist da stolz drauf. Er dachte, ich lerne das nie.

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Artikel verfasst am 19. August 2011

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