Ein guter Tag zum Sterben? – “Is it time?”
Oft kommt das Ende des Lebens merklich und schleichend. Ist es irgendwann Zeit, einfach zu gehen? Ein Spiel ums Überleben.
Die alte Frau lag allein im Bett. Sie weinte leise: “When will it be my time to be with you again, Armond?” Wahrscheinlich bemerkte sie überhaupt nicht, dass James Fraina, ihr Enkel, sie hören konnte. Alleine schien das Leben für seine Großmutter keinen Sinn mehr zu machen. Und dennoch lebte sie weiter. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Die meiste Zeit ihres restlichen Lebens allein. Ohne ihren Ehemann Armond, ohne Freunde und mit Verwandten, die während des Tages keine Zeit für sie hatten. Der Satz brannte sich ihm ins Gedächtnis. Und er machte ein Spiel daraus: “Is it time?”
“Goal: Live as long as you want to live”, steht in der Hilfe zu lesen. Für jeden Tag den der Spieler überlebt, an dem er sich bewusst entscheidet, nicht aufzugeben, wird er mit weiteren Einschränkungen bestraft: Das Augenlicht erlischt, das Gehör lässt nach, die Umgebung verwirrt, der Körper erlahmt. Das Spiel wird nahezu unspielbar. Der lustlos wirkende Sohn brabbelt irgendwann nur noch unverständlich vor sich hin, während er den täglichen Hackbraten im Kühlschrank hinterlässt. Und immer wieder Flashbacks in denen der vermisste Ehemann erscheint. Wer will da eigentlich noch weiterleben? Warum weiter kämpfen?
“Anyways, the game is not meant to be fun”, schreibt Fraina in der Beschreibung seines Spiels für den Kasseler Spielsalon im vergangenen Juli. Und tatsächlich: Das Spiel macht keinen Spaß. Und fesselt dennoch: Es führt den eigenen Überlebenswillen vor Augen. Bis die Frage “Is it time?” doch mit einem “Yes” beantwortet werden muss.
