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Hallo schöner Mann! – “Ute”

Yoga-Lehrer, Gewerkschaftsboss und Revolutionsführer – im Computerspiel muss Ute vor der Ehe mit möglichst vielen Männern schlafen. Für männliche Zocker ist das ein Problem.

“Slutscore” ist der erste Gedanke, der sich einschleicht. Und ich stehe relativ weit unten. Knapp 7000 Punkte. Ich war Ute und habe vor meiner Hochzeit leider nur mit elf Männern Sex gehabt. Und allen das Herz gebrochen. Vom Yoga-Lehrer habe ich mich übers Kreuz legen lassen, den Gewerkschaftsboss durfte ich auspeitschen und auch der Revolutionsführer mit dem Che Guevara-Bärtchen hat mir seine Zigarre angedeihen lassen. Jetzt tröstet mich Oma darüber hinweg, dass ich mit einem pubertierenden Schüler im Hafen der Ehe gestrandet bin.

Unangenehme Ressentiments

“Es sollte ein Spiel für Frauen sein“, sagt Lea Schönfelder, die Autorin von “Ute“. Trotzdem unangenehm, welche Ressentiments es auslösen kann bei einem Mann wie mir, der sich für vergleichsweise tolerant hält. “Man würde normalerweise denken, dass Männer so handeln. Was ja nicht so ist”, meint sie. Ja, auch Männer handeln so. Nur würde die keiner als “slut“ bezeichnen. Dennoch müsse ich mir keine Sorgen machen: “Ich würde Ute jetzt nicht so bierernst sehen. Es ist ansatzhaft gesellschaftskritisch. Diese Jagd nach immer mehr Sex, die einen eventuell auch nicht zufrieden machen könnte, steckt da drin. Ich wollte etwas machen, womit die Leute bisschen Spaß haben.”

Das Spiel verstört Männer

Das Spiel stand im Rahmen des Autorenspielfestivals “Spielsalon” bereits im Museum. Auch dort sammelte sich bevorzugt die Zielgruppe Frauen kichernd vor dem Bildschirm. Die Männer machten nach dem ersten Anspielen einen eleganten Bogen darum. Das Spiel verstört in seiner naiven, gezeichneten Anmutung das sonst so computerspielaffine Geschlecht.

Lea Schönfelders vorheriges Spiel, “Ulitsa Dimitrova“ war handzahmer. Da ging es um ein armes, russisches, erfrierendes Straßenkind. “Die Presse schreibt mehr darüber. Obwohl Ute viel mehr Klicks hat”, stellt Lea Schönfelder fest. Und tatsächlich: Im Artikel über das Autorenspielfestival habe auch ich den Straßenjungen thematisiert, und nicht Ute. “Liegt am Thema wahrscheinlich.”

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Bild: Screenshot

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Artikel verfasst am 12. Oktober 2011

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