“Es ist okay, manchmal einfach nur rumzuhängen”

Foto: Franziska Ebert

In den Ferien kann man den ganzen Tag tun, worauf man Lust hat. Das Problem: Manchmal hat man keine Lust. Barbara Springer und Michael Niggel von Pro Familia erklären, warum Nichtstun nicht nur normal, sondern sogar gut ist

Warum langweilt man sich in den Ferien oft? Man könnte doch so viel machen!

Barbara Springer: Manchmal ist man wegen der vielen Freiheit einfach überfordert und fällt in ein Loch, weil man gar nicht weiß, was man den ganzen Tag machen soll. Man muss sich ja erst mal daran gewöhnen, so viel Zeit zu haben. Wenn die Freunde in den Urlaub fahren und man selber zu Hause bleibt, kann man sich auch nicht mit so vielen Leuten treffen wie sonst, und dann kann es schon sein, dass man sich mal langweilt. Aber so eine Phase, in der man nichts macht, ist auch wichtig.

 

Wieso?

Barbara Springer: Während der Schulzeit hat man oft so viel zu tun, Hausaufgaben, lernen und zuhause helfen, dass gar keine Zeit bleibt, die Erlebnisse mal ein bisschen sacken zu lassen. Mädchen beschäftigen sich dann viel mit ihren Gefühlen, schreiben Tagebuch oder reden stundenlang mit ihren Freundinnen.

 

Und was machen die Jungs?

Michael Niggel: Die reden auch viel, aber über andere Themen. Da geht es dann um Computerspiele oder Sport. Viele Jungs reden nicht so über ihre Gefühle. Die Verarbeitungsprozesse laufen aber trotzdem ab, oft unbewusst, wenn man einfach auf dem Bett versumpft oder irgendwas am Computer macht.

 

Das finden Eltern ja oft nicht so gut. Die sagen dann, man soll rausgehen oder etwas unternehmen…

Michael Niggel: Stimmt, das kann zu Konflikten führen. Aber es ist nachgewiesen, dass Jugendliche, die noch wachsen und bei denen sich die Hormone umstellen, mehr Schlaf brauchen. Deswegen ist es völlig in Ordnung, wenn man manchmal einfach nur rumhängen möchte.

 

Interview: Karoline Beisel, Steffen Seibel