Gekommen, um zu helfen
alle Fotos: David Bruchmann
Mpho Sengane wuchs in einem südafrikanischen Kinderheim auf und haute immer wieder ab, um auf der Straße zu betteln. Heute arbeitet er als Freiwilliger in einem deutschen Hort
Deutsche wissen nicht, wie man eine Wurst grillt. Davon ist Mpho Sengane überzeugt. Zuhause in Südafrika schneiden sie ein Blechfass der Länge nach durch, machen darin Feuer und legen ein Metallgitter darüber. Gegrillt wird dann eine Boerewors, zu einer Schnecke gedrehtes Rind- und Schweinefleisch, drei Zentimeter Durchmesser, gewürzt mit Thymian und Muskatnuss. „Als meine Gastfamilie mit mir gegrillt hat, konnte ich nicht glauben, wie klein der Rost und die Würste sind“, sagt Mpho.
Statt einer Boerewors hat Mpho jetzt grünen Salat vor sich, den er auf kleine Schüsseln verteilt. Statt in dem Kinderheim bei Johannesburg, in dem er groß geworden ist, bereitet Mpho in einem Karlsruher Hort das Essen für Waldorf-Schüler zu. Früher war er das Kind, um das sich deutsche Jugendliche kümmerten, die als Freiwillige nach Südafrika kamen. „Warum soll das nicht auch andersrum gehen?“, fragte er sich nach dem Schulabschluss.
Es ging. Durch das Incoming-Programm der „Freunde der Erziehungskunst“ kommen jedes Jahr 100 Menschen aus dem Ausland für einen Freiwilligendienst nach Deutschland. Seit sechs Monaten ist Mpho einer von ihnen, hilft vormittags dem Hausmeister beim Heckenschneiden und setzt sich mittags mit zwanzig Grundschülern an den Tisch. Fasst den Lockenschopf links und den Jungen mit den Sommersprossen rechts bei der Hand. „Liebe Sonne, liebe Erde, euer nie vergessen werde“, sprechen alle im Chor. Es gibt Nudeln mit Pilzsoße, dazu den Salat. Alles Bio.
Zum Hören: Freiwillig in Deutschland – Das Incoming-Programm
Als Mpho 15 war, bestand sein Pausenbrot meist aus einem Sandwich mit Marmelade. Er ging auf eine Privatschule, Spender bezahlten die Gebühren. Die Mitschüler hatten Schinken, Tomaten und Salatblätter auf ihren Broten, trugen teure Klamotten und besaßen die neuesten Handys.
In Mphos Kinderheim wollten 200 Kinder versorgt werden, für den Einzelnen blieb nicht viel. Darum hauten Mpho und seine Kumpels immer wieder ab, nur ein paar Tage, um in der Innenstadt zu betteln. „Es ist einfach. Du stehst an der Ampel, und je jünger du bist, desto mehr Geld geben sie dir.“ Die Nächte verbrachten sie unter Brücken, gegen die Kälte half der Klebstoff. „Du atmest die Dämpfe aus einer kleinen Plastiktüte ein und fühlst nichts mehr.“ Auch nicht die Angst. Angst vor „Matanyola“. So nennen sie es auf Südafrikas Straßen, wenn ältere Jungs jüngere zum Sex zwingen. Mpho blieb das erspart. „Ich habe zugesehen, wie Freunde es tun mussten.“
In dem Karlsruher Hort machen die Kinder nach dem Essen ihre Hausaufgaben, spielen „Verstecken mit Freischlagen“ oder kickern an einem Fußballtisch aus Holz, den sie selbst gezimmert haben, während der Fußball-WM in Südafrika. Mpho ist zu dieser Zeit morgens um drei aufgestanden und eine Stunde zum Flughafen gelaufen. Er hat in der Gepäckabfertigung gearbeitet, um den Flug nach Deutschland zu bezahlen. Um sich jetzt zu einer neuen Runde Halli Galli überreden zu lassen. „Aber dieses Mal darfst du die Karten nicht vorher anschauen“, ruft das Mädchen im karierten Wollkleid.
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