“Sonst weine ich nie”
Foto: Jens Hauer
Tina Zwickl, 17, hat die Schule abgebrochen. Ab September wird sie Ballett, Chorgesang und Harmonielehre pauken, um Musical-Darstellerin zu werden. Hier erzählt sie, wie sie an ihrem Traum arbeitet
Ich habe viel Respekt vor der Zeit, die vor mir liegt. Die Ausbildung wird ein ziemlich harter Bruch in meinem Leben. Ich muss die Schule hinter mir lassen, bald werde ich auch in die Stadt ziehen. Es wird nicht leicht, die Musical Academy erfordert viel Disziplin – da muss ich mich durchbeißen. Der Unterricht beginnt morgens um neun und geht bis sechs Uhr abends. Meine Eltern meinen, es wäre gut, wenn ich ein wenig mehr Disziplin lernen würde. Pünktlichkeit ist im Moment nicht so meine Stärke, dort legen sie viel Wert drauf.
Es wird auch körperlich anstrengend. Wenn ich viel getanzt habe, habe ich am nächsten Tag oft überall Muskelkater und bin einfach tot. In der Ausbildung werde ich noch mehr tanzen. Aber es macht mir Spaß, mich auf der Bühne zu bewegen. Einmal musste ich wegen der Schule eine Pause machen mit dem Tanzen. Da hat mir richtig was gefehlt im Leben.
Die anderen in der Klasse werden älter sein als ich. Trotzdem will ich zeigen, was ich kann, und mich nicht unterbuttern lassen. Ich habe Respekt vor meinen Mitschülern. Viele haben schon eine Gesangsausbildung hinter sich; ich konnte keine Stunden nehmen, weil es bei uns auf dem Land keine Lehrer gibt. Deswegen singe ich im Schulchor oder einfach für mich selbst – ich habe immer einen Ohrwurm im Kopf. Nur beim Essen darf ich nicht mehr singen, das habe ich mit meiner Mutter ausgemacht.
In 20 Jahren will ich immer noch beim Musical arbeiten. Klar, irgendwann will ich auch Kinder haben, aber Karriere und Familie, das wird schwierig. Erst mal steht das Musical im Vordergrund. ![]()


