“Eigentlich wollte ich Rafael beeindrucken”

Foto: OK 2011/ Kunz

Steffi Jones ist eine der erfolgreichsten deutschen Fußball-Spielerinnen. Nach ihrer Karriere auf dem Platz holte sie die Frauen-WM 2011 nach Deutschland. Im Interview mit minz* verrät sie, warum sie überhaupt angefangen hat zu kicken

Welche Poster oder Bilder hingen in Ihrem Kinder- bzw. Jugendzimmer?
Das war bunt gemischt. Vom Bravo-Starschnitt bis zu Postern von der Eintracht.

 

Sie waren das einzige Mädchen zuhause, worüber haben Sie sich mit Ihrem jüngeren und älteren Bruder am häufigsten gezofft?
Ich glaube, bei uns war das nicht anders als in vielen anderen Familien auch. Wer räumt was auf, wer darf zuerst mit dem Ball spielen und wer darf im Auto neben Mama sitzen. Aber im Großen und Ganzen haben wir drei uns eigentlich gut verstanden.

 

Sie haben früher immer mit Jungs Fußball gespielt. Mit wem würden Sie heute am liebsten auf dem Bolzplatz kicken?
Am liebsten mit meinen Jugendfreunden aus meiner Anfangszeit in Bonames. Mich würde doch interessieren, wie gut der eine oder andere heute noch kicken kann…

 

Drehte sich bei Ihnen auf dem Schulhof auch alles um den Ball?
Absolut! Wir haben damals jede Minute zum Kicken genutzt. Meine Freunde und ich wollten immer zusammenbleiben. Fast scheint es mir, als hätten uns die Drehbuchautoren von „Die wilden Kerle“ damals auf dem Pausenhof belauscht. Denn wir schworen uns, den steinigen Weg von der Jugend bis zu den Profis gemeinsam zu gehen – komme, was da wolle!

 

Wie war die Schulzeit für Sie? Gab es Lieblings- oder Hassfächer?
Insgesamt hatte ich eine sehr schöne Schulzeit und ich bin eigentlich immer sehr gerne in die Schule gegangen. Logischerweise war Sport auch eines meiner Lieblingsfächer.

 

…seltsame Lehrer, nervige Mitschüler?
…gab es keine.

 

Auch nach der WM für den Mädchen- und Frauenfußball im Einsatz. (Foto: OK 2011/ Kobow)

Gab es auch einen heimlichen Schwarm?
Einen heimlichen Schwarm hatte ich bereits im Kindergarten. So bin ich auch zum Fußball gekommen. Das war im Alter von vier Jahren. Mein Bruder hat mich damals mit auf den Bolzplatz genommen. Eigentlich wollte ich nur Rafael, den Jungen aus dem Kindergarten, beeindrucken. Aber ich hatte von Anfang an großen Spaß am Fußballspielen.

 

War Ihre Devise: Hausaufgaben selbst machen oder morgens schnell abschreiben?
Eigentlich habe ich versucht meine Hausaufgaben immer gleich zu erledigen. Darauf hat auch meine Mutter geachtet. Aber ich glaube, dass wohl jeder irgendwann mal morgens die Aufgaben schnell abgeschrieben hat. Da will ich mich nicht von ausnehmen.

 

Sie besuchen immer mal wieder Schulen, um für den Frauenfußball und den Sport an sich zu werben. Erkennen Sie sich in den Kindern wieder oder ist die Jugend von heute anders?
Grundsätzlich ist jede Generation von Jugendlichen und Kindern anders. Ich freue mich aber immer wieder, wenn ich sehe, wie groß der Aufforderungscharakter des Fußballs oder auch des Sports allgemein ist. Wenn die Kinder einen Ball sehen, wollen sie sofort spielen. Egal, ob ich in eine Grundschule in Hanau, Darmstadt oder einem anderen hessischen Ort komme oder mit Kindern in Abuja in Nigeria auf einem Lehmplatz spiele: Immer übt der Ball einen hohen Bewegungsreiz aus. Kinder und Jugendliche wollen sich bewegen. Ich bezweifle, dass sie den ganzen Tag vor dem Computer sitzen wollen.

 

Für Sie selbst war Fußball das Ventil, um Dampf abzulassen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Sie spielen nicht mehr aktiv und haben als WM-Botschafterin viel zu tun. Wie gehen Sie heute mit Stress um?
Ich versuche, dass ich mir rechtzeitig immer mal wieder eine Auszeit gönne. Natürlich ist das bei meiner momentanen Tätigkeit und so kurz vor der WM schwierig. Wenn ich aber merke, dass mir alles zu viel wird, nehme ich mir diese Auszeit und entspanne mit Freunden oder der Familie.

 

Was machen Sie nach der Heim-WM?
Da werde ich erstmal einen langen Urlaub machen. Danach werde ich mich dann in meine neue Aufgabe beim DFB stürzen. Als Direktorin für den Mädchen- und Frauenfußball wollen wir die positiven Effekte der WM nachhaltig nutzen.

 

Wann sehen wir Sie als Bundestrainerin?
Ich habe zwar den Trainerschein, aber aktuell kann ich mir diese Aufgabe nicht vorstellen. Außerdem macht Bundestrainerin Silvia Neid einen tollen Job und wird hoffentlich noch lange Zeit die Nationalmannschaft trainieren.

 

Interview: Silke Keul

 

Und wie war Philipp Lahm in der Schule? Das Interview findet ihr hier.