Für’s Bett nur das Beste

Klitoris absenken, Vagina verengen: Bei Chirurgen lassen Frauen ihre intimste Stelle für den perfekten Orgasmus trimmen. „Es hat sich gelohnt“, sagt eine Patientin, die die Vagina-OP für den Supersex ausprobiert hat.

Laura Sander* hat sich unters Messer gelegt. Nicht, um jünger auszusehen oder größere Brüste zu haben. Ein Stück weit wohl für ihren Mann, mit dem sie den Eingriff lange besprochen hat. Aber in erster Linie, so sagt sie, war es eine Entscheidung zu ihren ganz persönlichen, intimsten Gunsten: Seit ihrer Vagina-OP hat Laura Sander wieder Spaß am Sex. „Lange dachte ich, ich kann damit leben. Doch irgendwie hat es mich dann doch bedrückt, dass ich beim Verkehr nichts mehr gespürt habe“, sagt die 39-Jährige. Über die OP spricht Sander in gedämpftem Ton, im Hintergrund sehen die Kinder „Peter Pan“.

„Verkehr“, „Stimulationsfähigkeit“ und die perfekte Vagina, aus der „nichts raushängt im Stehen“ sind Themen, über die Professor Stefan Gress spricht, als schwärme er von einem Sportwagen, der gut in der Kurve liegt. Der Münchner Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie hat im April Sanders Beckenboden gestrafft, ihre Scheide verengt und ihre Klitoris abgesenkt.

Rund 8.000 Euro hat Sander hingeblättert, um ihren Genitalbereich wieder so formen zu lassen, wie er vor den Geburten ihrer drei und sechs Jahre alten Kinder war. Die Klitoris dabei ein wenig näher an den Scheideneingang zu verpflanzen, ist eine Technik, auf die sich Gress spezialisiert hat. Seit 13 Jahren bietet er Frauen sein Handwerk an, von Schamlippenkorrektur bis hin zur G-Punkt-Intensivierung. Im Schnitt 30 Jahre jung sind Frauen, denen Chirurgen wie Gress ihre sexuellen Optimierungswünsche erfüllen. Ob diese wirklich nur von den Frauen selbst geäußert werden, ist fraglich.

Vollnarkose für den Super-Sex

„Es wäre falsch zu sagen, dass Frauen solche Eingriffe pauschal nur für Männer machen lassen“, sagt die Soziologin Anna-Katharina Meßmer, die an der LMU München zum Thema Intimchirurgie promoviert. Ein patriarchalisch geprägtes Schönheitsideal bestehe jedoch trotzdem. Weil zunehmend gesellschaftlich erwartet werde, etwas „für sich“ zu tun, stellten viele Frauen den Gang zum Schönheitschirurgen als etwas dar, dass sie nur sich zuliebe täten. Bilder aus Pornos und Bikini-Werbung plätschern dabei leise im Hinterkopf manch einer Patientin, die sich ohne medizinischen Anlass die Schamlippen verkleinern lässt.

Laura Sander saß 2012 im Wartezimmer eines Arztes, als sie zufällig in einer Frauenzeitschrift von Intimoperationen erfuhr. Niemals zuvor habe sie an einen Eingriff im Genitalbereich gedacht, schon der bloße Gedanke an eine Vollnarkose flößte ihr Respekt ein. Sechs Monate später fährt sie alleine in die Münchner Spezialpraxis, lässt sich ein Beruhigungsmittel geben und überlässt dann für vier Stunden ihr Heiligstes dem Chirurgen und seinem Assistenten. Als Laura Sander wieder zu sich kommt, sitzt ihr Mann mit im Aufwachraum. „Natürlich verbindet einen viel mehr, wenn es im Bett gut klappt“, sagt Sander.

Bekommt sie noch ein Kind, ist die Scheidenstraffung dahin

Die sechs Wochen Enthaltsamkeit und Verzicht auf Sport nach dem OP-Stuhl haben sich für sie gelohnt. „Es“ sei seither viel besser. Die Wissenschaftlerin Meßmer warnt trotzdem davor, dass solche chirurgischen Möglichkeiten Frauen auch unter Druck setzen können: „Weil Selbstoptimierung in diesem Bereich möglich ist, ist sich nicht zu optimieren bereits eine Entscheidung, nach der sich Menschen zunehmend fragen lassen müssen“, sagt sie.

Angst, dass die OP ihren Körper ruinieren könnte, hatte Laura Sander nicht. „Dass es schlechter werden könnte als zuvor, konnte ich mir nicht vorstellen“, sagt sie und lacht trocken. Auch mit ihrer operierten Scheide könne sie noch Kinder bekommen. Dann wäre die Vaginalstraffung jedoch hinüber. Optimieren ließe sich das vielleicht mit einer G-Punkt-Aufspritzung, zum Beispiel mit Eigenfett. Gynäkologen wie der Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Manfred Steiner, können über die jüngste Erfindung der Intimchirurgie nur den Kopf schütteln: „Dass es einen G-Punkt gibt, ist seit Jahrzehnten umstritten – den soll mir erstmal einer zeigen.“

*Name von der Redaktion geändert