Und bei euch so?

In jeder Kultur optimieren sich die Menschen anders. EGO wirft einen Blick in die Welt und hat bei jungen Menschen nachgefragt, nach welchen Idealen die Gesellschaft in ihrem jeweiligen Land strebt – und wie sie selbst damit umgehen.

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Walter, 30, São Paulo (Brasilien)

Für brasilianische Frauen bezieht sich Selbstoptimierung vor allem auf einen perfekten Körper. Die meisten Menschen in Brasilien, Männer und Frauen, möchten außerdem möglichst viele Fremdsprachen lernen, Englisch, Spanisch, Deutsch und Französisch. Ich persönlich würde lieber mehr von Wirtschaft und Mathematik verstehen.

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Stefan, 35, Luzern (Schweiz)

Für die meisten Schweizer bedeutet Selbstoptimierung, ihr berufliches Portfolio auf den bestmöglichen Stand zu bringen, um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Dazu gehören alle Formen der Weiterbildung. Bei mir haben viele Jahre Studentenleben und Single-Dasein ihre Spuren hinterlassen – daher achte ich heute vermehrt auf einen etwas gesünderen Lebensstil. Anstatt um 1 Uhr nachts noch einen Absacker zu bestellen, geh‘ ich zum Beispiel lieber nach Hause, um am nächsten Tag den Kopf für eine interessante Ausstellung oder die Physis zum Joggen zu haben.

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Katya, 29, Moskau (Russland)

Russische Männer versuchen meist, sich mental und körperlich weiterzuentwickeln, um ihre berufliche und private Situation zu verbessern und mehr Geld zu verdienen. Die Frauen dagegen arbeiten an sich, um einen reichen Mann zu bekommen und ein sorgloses Leben zu führen. Natürlich gibt es aber auch Menschen in Russland, die sich nicht in diese beiden Kategorien stecken lassen. Ich zum Beispiel will geduldiger werden, meinen Charakter und meine Launen weniger zur Schau stellen. Ich versuche, mich zu kontrollieren.

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Noemi, 24, Bukarest (Rumänien)

In Rumänien optimieren sich die meisten Menschen im beruflichen Bereich und lernen Fremdsprachen. die meisten Rumänen sprechen drei bis vier Sprachen fließend. Die Mehrheit der jungen Menschen fängt auch sofort nach dem Abitur ein Studium an. Rumänien ist ein nicht gerade wohlhabendes Schwellenland – also ist man gezwungen, auf internationaler Ebene konkurrenzfähig zu sein um sich berufliche Chancen zu sichern. Auch ich möchte mich gerne im Bereich Karriere optimieren. Demnächst lege ich eine europäisch anerkannte Spanisch-Prüfung ab. Nach meinem Master-Abschluss möchte ich mich für ein Lateinamerika-Stipendium bewerben. Außerdem versuche ich, mehr Zeit für Sportstudio und Schwimmhalle zu finden, um meine Fitness zu verbessern.

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Andzelika, 26, Vilnius (Litauen)

In Litauen boomen die Freiwilligendienste – die Leute interessieren sich mehr für die Gemeinschaft und wollen ihr Wissen teilen. Das ist aber nur ein Aspekt von vielen, die die Leute optimieren wollen. Laufen zum Beispiel gewinnt bei uns gerade massiv an Bedeutung. Außerdem spielt Gesundheit eine wichtige Rolle, besonders in Bezug auf die Ernährung. Bücher und Blogs zu dem Thema florieren, die Leute wetteifern, wer das beste Essen kocht. Ich möchte mein Land gerne besser kennenlernen, innehalten und die eigene Heimat erkunden. Auch ich laufe regelmäßig und erkundschafte dabei die kleinen Gassen, Gärten und Hinterhöfe von Vilnius. Für das Wochenende plane ich verschiedene Ausflüge – so kann ich mein Ziel wohl am besten erreichen.

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Fahad, 25, Islamabad (Pakistan)

In Pakistan bemühen sich die Leute in meinem Alter vor allem darum, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das äußert sich darin, wie sie sich in der Öffentlichkeit geben, wie sie reden und sich anziehen. Wenn ich etwas an mir verbessern könnte, würde ich gerne besser und lockerer vor großen Gruppen sprechen können und überzeugender sein. In meinem Masterstudium musste ich schon öfters vor Gruppen mit bis zu 100 Leuten reden. Zwar bin ich immer noch nicht überzeugend genug, aber ich mache definitiv Fortschritte.

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Marco, 29, Montréal (Kanada)

Hier legen die Leute relativ viel Wert darauf, sich selbst zu verbessern. Die Landesregierung Québecs verpflichtet größere Unternehmen, in Fortbildungsmaßnahmen für ihre Angestellten zu investieren. Mein Arbeitgeber erstattet mir die Teilnehmergebühr für Fortbildungskongresse. Ich versuche außerdem, meinen Horizont zu erweitern, indem ich mehr und abwechslungsreichere Bücher lese. Außerdem versuche ich, produktiver zu sein und Dinge schneller zu erledigen. Ich versuche, mich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren, anstatt zu versuchen, mehrere Dinge auf einmal zu erledigen.

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Maame, 25, Accra (Ghana, rechts im Bild)

Die meisten Ghanaer betrachten die Versorgung ihrer Familie als obersten Grundsatz, trotzdem versuchen sie, auch an sich und ihrer Karriere zu arbeiten. Die Menschen in Ghana wollen zum Beispiel ein höheres Bildungsniveau. Meine Lebensperspektive ist die persönliche Entwicklung, ich will immer einen positive Ausblick haben damit und ein erfülltes Leben. Ich habe mir für dieses Jahr das Ziel gesetzt, positiver zu denken und andere Kulturen zu entdecken. Ich will in mindestens zwei Länder reisen. Bisher war ich schon in einem: Äthiopien. Der Trip war unvergesslich, er hat mich viele kleine Dinge wertschätzen gelehrt.

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Katerina, 26, Prag (Tschechien)

Ich kenne viele Leute, die sehr auf ihren Körper achten. Aber alle machen das, weil es ihnen Spaß macht. Die Leute um mich herum treiben gerne Sport, sie joggen oder skaten, aber lernen auch Fremdsprachen. Durch Inspiration und Entspannung ist man bei der Arbeit  produktiver. Aber an Selbstoptimierung denken die Tschechen meiner Meinung nach dabei nicht. Ich will gerne gut sein bei allem was ich tue. Im Job würde ich zum Beispiel gerne wissen, wie ich mich in stressigen Situationen am besten verhalte und wie ich Probleme löse.  Im persönlichen Bereich will ich im Sport noch besser werden, beim Radfahren habe ich schon ein überdurchschnittliches Level erreicht. Um meine Ziele zu erreichen, brauche ich Zeit.

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Javier, 29, Vina del mar (Chile)

Normalerweise hört man in Chile keine Dinge wie „Hey, ich versuche gerade, schneller zu lesen“, sondern man spricht über Essen und Ernährung. Jeder hat das Thema im Kopf. Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach mehr in einem Stereotyp von Schönheit als von Gesundheit. Ich möchte meine Meditations- und Lernfähigkeiten verbessern und mehr Sport treiben. Ich setze mir jeden Tag ein Ziel. Wenn ich es schaffe, alles zu tun, was ich mir vorgenommen habe, markiere ich den Tag im Kalender grün. Wenn nicht, rot.

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Katlin, 20, Atlanta (USA)

Viele Menschen in meinem Land wollen ihr Aussehen verbessern, oft auf Kosten ihrer körperlichen und mentalen Verfassung. Unsere Gesellschaft schätzt Schönheit über Gesundheit, weil Konsumverhalten vorherrscht. Die konstante Berieselung mit Werbung hat Millionen von Menschen überzeugt, dass es einen einzigen Standard für Schönheit gibt und jeder denkt, er muss ihm nachkommen. Ich würde gerne meine Motivation verbessern. Im Moment habe ich so viel Freizeit und so einen starken Wunsch zu schreiben, aber ich habe es noch nicht getan. Die Couch ruft nach mir. Motivation ist schwierig wiederzuerlangen, wenn man sie einmal verloren hat – ich denke, das wird ein Kampf auf längere Zeit.

 

Nadeem, 27, Neu Delhi (Indien)

Die berufliche Konkurrenz ist heute sehr groß, also müssen wir uns perfektionieren, um zu überleben. Die meisten Inder versuchen, bis 30 hart zu arbeiten, und verdienen zum Teil schon ganz gut. Ich habe mich nach dem Bachelor auch dazu entschlossen, mich weiterzubilden und praktische Erfahrungen zu sammeln. Ich möchte gerne die meisten beruflichen Dinge erreicht haben, bis ich 30 bin, und dann den Rest des Lebens genießen. Außerdem möchte ich gut in Form sein. Nach einem langen Arbeitstag gehe ich ins Fitnessstudio, am Wochenende spiele ich Computer und koche traditionelles Essen.

Diego, 30, Bogotá (Kolumbien)

Die meisten wollen natürlich ihre ökonomischen und sozialen Verhältnisse verbessern. In Kolumbien sind wir es gewohnt, wie in einem Rennauto zu leben. Ich würde mich aber gerne stärker auf die großen und kleinen Dinge konzentrieren, die wirklich dazu beitragen, dass ich glücklich bin und es auch in Zukunft sein werde. Bei der Arbeit versuche ich, Dinge zu hinterfragen bevor ich sie tue und ich lerne aus Fehlern. Ich mache Capoeira und weiß, ich muss soviel trainieren wie ich kann, damit ich vorankomme. Ich achte außerdem darauf, was ich esse. Mein Gehirn trainiere ich durch Lesen. Was meine Emotionen angeht, versuche ich herauszufinden, welche Dinge mir Schmerz oder Wut bereitet haben.

David, 25, Manila (Philippinen)

Filipinos betreiben Selbstoptimierung vor allem im Bereich Ernährung und Sport. Die meisten Leute um mich herum sprechen die ganze Zeit von verschiedenen Arten, Gewicht zu verlieren oder besser auszusehen. Gesundes oder biologisches Essen wird überall beworben, die Fitnessstudios sind fast immer voll. Außerdem wollen viele ihre Karriere optimieren. Die Philippinen sind ein Entwicklungsland und die Leute kämpfen darum, einen hohen Lohn zu bekommen – der einzige Weg dahin ist, sich von Anderen abzuheben. Ich liebe es, zu lernen und eine Menge Dinge tun zu können. In den letzten Jahren habe ich mich vor allem für Kochen und Reisen interessiert. Zurzeit arbeite ich an meinen Deutschkenntnissen, weil ich bald nach Deutschland ziehen werde. Ich probiere die Paleo-Diät aus und trainiere regelmäßig.

Darren, 32, Kuala Lumpur (Malaysia)

Die Leute hier tun viel dafür, gesünder zu leben. Dazu gehört zum Beispiel, ins Fitnessstudio zu gehen, sich gut zu ernähren und aus dem Stadtzentrum zu ziehen, um bessere Luft zu atmen. Ich würde sehr gerne meine Sprachfähigkeiten verbessern, ich gehe dreimal die Woche zum Sprachunterricht.

 Philemon, 23, Addis Abeba (Äthiopien)

Die Leute in Äthiopien sagen: „Ein Mensch ohne Bildung ist wie ein gestreuter Samen ohne Wasser und Pflege”. Sie glauben daran, dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg ist: einem stabilen Einkommen, einer guten Ehe, Respekt und gesellschaftlicher Akzeptanz. Diplom, Master, Doktorgrad – so geht das im Idealfall. Es gibt natürlich auch Leute, die sich nur durch hübsche Kleidung selbst optimieren oder sich teure Sachen leisten, wenn sie können. Ich will vor allem mit mir selbst im Frieden sein und ich selbst werden. Der Frieden in meiner Familie ist auch meiner, und ich muss für ihn sorgen indem ich meine Schwestern zur Schule schicke und ihnen alles gebe, was sie brauchen, und indem ich der Mann werde, von dem meine Mutter immer geträumt hat. Im Moment lerne ich viel, um meinen Uni-Abschluss zu machen, das macht sie sehr glücklich.