Titel

Machtwerke

Auf der Suche nach Macht und Herrlichkeit

Monarchie, Bürokratie und Faschismus haben sich in Deutschland verewigt. Aber was ist geblieben, außer Fassade? Philipp Daum und Tobias Krone haben sich auf eine Reise gemacht, von der bayerischen Provinz bis nach Berlin-Mitte. 

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D as neue Symbol deutscher Macht sind Palmen aus Stahl. Die Palme ist keine besonders deutsche Pflanze. Wie konnte das passieren? Die Suche nach der Antwort beginnt in einem Eichenhain, hoch über der Donau. Dort steht ein Tempel zur Ehre Deutschlands. Walhalla. Die erste Station unserer Reise.

Donaustauf – Bayerisches Königreich
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Die Walhalla ist ein griechischer Tempel auf einem monumentalen Plateau, 358 Stufen über der Donau. Erdacht von einem kunstsinnigen König. 1807, nach der Demütigung durch Napoleon, fasst der 20-jährige bayerische Kronprinz Ludwig einen Plan. Er will den „rühmlich ausgezeichneten Teutschen“ ein Denkmal errichten und so sein Vaterland einen. Die Walhalla ist eine Idee Deutschlands, bevor es existierte.

Jedes Herrschaftssystem verbaut seinen eigenen Größenwahn. So wie Herrscher sich selbst Denkmäler setzten, bauten sie an ihrer Idee von Deutschland. Deutschland ist ein Haus, das immer wieder neu errichtet wurde. Mal glich es einem Tempel, mal einem Exerzierplatz. Es war proletarisches Kollektiv, dann eine Geheimbehörde. Wir sind auf der Suche nach dem Bauplan: Welche Fassade braucht die Macht? Wie ändert sich ihre Gestalt? Wen lässt sie bei sich wohnen?

Im Innern des Tempels ist es kühl. Zwei Frauen an der Kasse, sonst niemand hier an diesem trägen Sonntag im Juli. Links hängen die Marmorbüsten fränkischer Könige, weiter hinten kommen Künstler, Dürer, Kant, Schiller. Die Büste Heinrich Heines steht – seit 2010 – am Ende der Reihe. Der König hätte sie nicht hereingelassen. Heine floh vor der deutschen Zensur nach Paris und verspottete die Walhalla als „marmorne Schädelstätte“ – es hat ihm nichts geholfen.

Draußen vor dem Tempel steht Harald Grill, Dichter und Schriftsteller. Er ist zu Fuß hochgewandert. Hinein will er nicht. Denn mit der Heldenverehrung hat Grill seine Probleme. Nach dem Krieg kam sein Vater mit Granatsplittern im Körper nach Hause. Der junge Harald lernte an seiner Krücke laufen. Beim Arztbesuch sah er die anderen Ex-Soldaten, Armstummel, Beinstummel. Grill sagt: „Ich war immer mehr fürs Weglaufen als fürs Kämpfen.“

Und doch hieß es immer, wenn Onkel Julius und Tante Lenchen aus Heilbronn anreisten: „Geh ma halt wieder zu die Gipsköpf!“ Man hatte schließlich etwas vorzuzeigen. Besucher mussten damals im Innern der Walhalla Filzpantoffeln anziehen. Und so schlurfte die Familie über blankpolierten Marmor, um den Boden zu schonen. Er war heilig.

Walhalla Innen

Einsame Statue unter Büsten: König Ludwig I. im Inneren der Walhalla.

Harald Grills Vater gab seine Gesundheit für Deutschland. Hätte man ihm dafür eine Büste in die Walhalla gestellt? Ist die Walhalla ein Tempel des Volkes? Oder ein Tempel des Königs?

Wenn Deutsche andere Deutsche in den Himmel heben, stellen sie vorher Kriterien auf. So auch Ludwig I.: „Kein Stand nicht, auch das weibliche Geschlecht nicht, ist ausgeschlossen. Gleichheit besteht in der Walhalla; hebt doch der Tod jeden irdischen Unterschied auf.“

Aber wer die Walhalla betritt, sieht zuerst das Denkmal des Königs, er thront über allem. Auf dem Sockel steht: „Ludwig I. Koenig von Bayern. Das dankbare Volk.“ Das dankbare Volk sitzt draußen vor der Tür, auf den Steinstufen. Zwei Mädchen rauchen Shisha. Andere trinken Wein und schauen zur Donau herunter. Kaum jemanden interessieren die Büsten drinnen. Im Innern mag die Walhalla ein Tempel des Königs sein. Draußen aber ist sie ein Tempel des Volkes.

Ein griechischer Tempel für das deutsche Volk. Das reichte damals noch, im humanistischen 19. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert ging so etwas nicht mehr. Der Führer wollte den wirklich deutschen Stil. In der deutschesten aller Städte. Weimar.

Weimar – Drittes Reich
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Was ist eigentlich deutsche Architektur? Sind es die niedlichen Fachwerkhäuser mit den steilen Giebeln? Sind es die klobigen romanischen Burgen des Rheinlands? In Weimar ist alles davon zu finden: Sich behaglich windende Gässchen, Goethes gemessen karges Schreibpult, und seit 1937 das Gauforum, eine Burg für den Führer: Ein mächtiger Innenhof, eine gigantische Halle, ein Turm, der es in sich hat: Von außen ist er ein karger Kubus, innen aber birgt er ein massives, achteckiges Treppenhaus, ein archaisches Gewölbe zu Ehren der Toten. Im Gauforum sollten heidnische Gottesdienste abgehalten werden. 20000 Menschen sollte der Glockenturm in die Halle der Volksgemeinschaft rufen.
Wer sagt, dass sowas deutsch ist? Unter Touristen und Weimarern herrscht zumindest in diesem Punkt Einigkeit: Weimar ist die deutsche Stadt. Und sie trägt notwendigerweise auch diesen Widerspruch in sich, den das Deutsche mit sich bringt: Größe neben Behaglichkeit. Hitler wollte es groß und gemütlich haben in Weimar, seinem Lieblingsstädtchen, das ihm schon 1926 den Reichsparteitag organisierte, als er im Rest von Deutschland noch Auftrittsverbot hatte. Weimar liebte den Führer, es vollendete sich als deutsche Stadt.

Was nicht zusammengeht, geht nicht zusammen.

Das, was das Gauforum heute darstellt, ist ein amorpher Kasernenhof mit Säulengang, dessen plumpe Dimensionen in keiner Beziehung zum Umfeld stehen. Aus der Halle der Volksgemeinschaft ist heute eine Shopping Mall geworden – mit mediterraner Kunstpiazza. Im Edeka kaufen zwei Pakistanis Tiefkühlpizza. Die Urbanistikstudenten an der Weimarer Bauhaus-Uni haben noch nie über die Geschichte dieses Ortes nachgedacht: „If you don’t see what the building means, maybe it’s at the wrong place“, sagt der eine. Dem Gebäude sieht man seine Funktion nicht an. In den restlichen Trakten bunkert das Land Thüringen seine Amtsakten, auf dem Hof ist Skateboard fahren verboten. Es ist einsam und zugig hier. Etwas leer, ohne 20000 jubelnde Faschisten. Nur der Fanatismus hätte dem Komplex eine Einheit gegeben.

Doch das real existierende Deutsche ist ein Mischwesen, damals wie heute. Und die Idee, seine Reinheit von oben herab zu dekretieren, ist so absurd wie die Bauten des Führers.

Hitler bezog seine Macht aus der Masse. Im Sozialismus sollte die Masse wieder Mensch werden, und für sich eigene Paläste bauen. Im äußersten Osten Brandenburgs steht eine Stadt, sozialistischer als alle anderen Städte Deutschlands. Eisenhüttenstadt.

Eisenhüttenstadt – Sozialismus

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Die alte Magistrale führt an einem Spielzeuggeschäft, einem Lebensmittelladen, und der „Broilerkönigin“ vorbei zum Rathaus. Der Blick der wenigen Passanten aber fällt auf das Stahlwerk. Das war immer schon so, denn alle Straßen in Eisenhüttenstadt führen hier hin. Heute aber blicken die Leute auf das Werk, als wollten sie nachsehen, ob es noch da ist. Nur einer der vier Hochöfen ist noch in Betrieb. Das bedeutet etwas in einer Stadt, die nur wegen eines Stahlwerks gebaut wurde.

Lindenallee, Eisenhüttenstadt, Ostbrandenburg, direkt vor der polnischen Grenze. Eine weitere Geisterstadt im Osten? Nein, eine Utopie, noch heute sichtbar. Um die Ecke steht der „I. Wohnkomplex“, Blockbebauung mit neoklassizistischer Fassade, Grünanlagen, Säulen. Auf einem Wandbild aus Meissner-Porzellan ein Stahlarbeiter neben einer Friedenstaube. Paläste für Arbeiter. Keine Wohnkasernen.

Huette-im-Text

Neoklassizistische Fassade im „I. Wohnkomplex“.

Und nirgendwo Zäune in der Stadt.

1950, seit kurzem gibt es Deutschland doppelt. Bisher war der Osten nicht für Schwerindustrie bekannt. Aber Stahl ist die Zukunft, der Stoff, aus dem sozialistische Träume sind. 20 Kilometer südlich von Frankfurt/Oder wird der Grundstein für das Eisenhüttenkombinat Ost, kurz EKO, gelegt. Um das Werk herum entsteht eine Stadt aus dem Nichts. 1953, nach Stalins Tod, wird sie nach ihm benannt; als Chruschtschow an die Macht kommt, wird aus Stalin- dann Eisenhüttenstadt.

Es ist eine Stadt für ein Menschenbild – Wohnstätte für den neuen, sozialistischen Menschen. Aus der umliegenden Provinz kamen Zwanzigjährige, gelockt von Arbeit und luxuriösen Wohnungen. Den Menschen in Eisenhüttenstadt gehörte die Zukunft. Sie waren die fleischgewordene Metapher für den Aufbruch in die neue Zeit.

Die Jungen von damals sind geblieben. Aber die Jungen von heute ziehen weg. Von den 11000 Jobs im Stahlwerk sind noch gut 2000 übrig. Ende der 1980er Jahre lebten in Eisenhüttenstadt über 50000 Menschen. Heute ist es noch gut die Hälfte.

Im Innenhof eines Wohnblocks steht Klaus Niemack, früher Stahlarbeiter, heute Rentner. Er ist, wie die Meisten hier, älter als die Stadt selbst. Niemack erzählt, er habe mal eine Tante im Westen besucht, Braunschweig, 90. Geburtstag. Auf dem Parkplatz standen die Wessis um seinen Trabi herum und staunten. Niemack ging hin und sagte: „Schaut mal, die Karosse ist aus Pappe! Und der hat zwei Motoren! Einer zum Vorwärtsfahren und einer zum Rückwärtsfahren!“ Niemack erzählt von einer Zeit, als man Wessis noch für ihre Ahnungslosigkeit verarschen konnte. Dann schaut er uns an, lange, zu lange, als wollte er sagen: Heute werden nur noch wir verarscht.

Was ist von der Idee dieser Stadt geblieben? Gehört Eisenhüttenstadt noch seinen Bewohnern?

Alle Häuser hier sind Mietwohnungen, Genossenschaftseigentum. Sie sind nicht privatisierbar: Wer wollte sie auch kaufen?

Der Sinn dieser Stadt aber entgleitet den Bewohnern. Die Jungen ziehen weg, und die Alten versteht keiner mehr. Eisenhüttenstadt als Idee hat seine Daseinsberechtigung mit der Wende verloren. Das drohte auch anderen ostdeutschen Städten – aber die existierten ja schon vor dem Sozialismus. Und so wurde Dresden wieder Elbflorenz und Weimar Stadt der deutschen Klassik. Aber Eisenhüttenstadt, die Stadt des Stahls, hat nichts, woran sie anschließen könnte. Heute muss sich jemand wie Klaus Niemack für seinen Stolz, in der Stadt zu leben, rechtfertigen.

Mehr als zwanzig Jahre lang hatte Eisenhüttenstadt keinen Friedhof, denn die Leute lebten, sie starben nicht. Mittlerweile ist der Altersdurchschnitt hier deutlich höher als im Rest von Deutschland. Eisenhüttenstadt ist eine Idee, wie es mal sein sollte. Es ist anders gekommen. Die Zukunft ist alt geworden.

Die DDR ging unter, die Bundesrepublik hat überlebt. Das liegt auch daran, dass sie das sanfteste aller deutschen Systeme war: Ihr Erfolg beruhte nicht auf Militär, nicht auf Überwachung, sondern auf gewissenhafter Verwaltung – und Arbeit. Ein Ausflug ins Jahr 1972.

Nürnberg – Alte Republik
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Die Sprache der Macht beginnt in der Bundesrepublik mit einem Buchstaben. Das große A.

A wie Arbeit.

Im Süden Nürnbergs findet man dieses A. Aber man erkennt es nur von oben, vom Satellitenbild. Dort bilden die dreieckigen Haupttürme der Bundesanstalt für Arbeit große Buchstaben. Von der Straße aus aber wirkt der Bau aus Beton und Glas – klassischer Verwaltungsstil der Ära Brandt – behäbig und irgendwie gutmütig. Wie eine dicke Henne mit ausgebreiteten Flügeln. Die Anwohner fühlen sich jedenfalls wohl neben der großen Nachbarin. Vor niedrigen Nachkriegs-Wohnblöcken sitzen Grüppchen friedlicher Ganztagstrinker beim Bier. Am Hochhaus vor der Anstalt stehen zwei Rentner und halten ihre Schnauzer in den Tag.

Die Anstalt? – Die könne locker kleiner sein. „Gearbeitet wird da drin eh ned.“ Gelächter. Hier ist sie noch in Ordnung, die widerständige kleine Welt in den Köpfen: Arbeitslose, die nicht arbeiten wollen. Rentner, die nicht arbeiten müssen. Beamte, die so tun, als würden sie arbeiten. Die gemütvolle Nostalgie einer alten Republik, die 1972 zur Bewältigung eines scheinbaren Luxusproblems diesen Prachtbau errichtete: Gerade mal 246000 Arbeitslose lebten damals in Westdeutschland.

Eine gefürchtete Behörde war die Anstalt nicht: Das Wirtschaftswunder war genug, um die Arbeitskraft der Deutschen zu mobilisieren, alle wollten, alle hatten Arbeit. Aber die Zeiten änderten sich. Die Welt veränderte sich, Deutschland veränderte sich. Die Einstellung der Deutschen zur Arbeit änderte sich nicht.

Als die Anstalt dreißig Jahre alt war, kümmerte sie sich um vier Millionen Arbeitslose. In ihren Räumen musste sich etwas ändern: Hartz III hieß die eine Reform, die 2002 aus der Bundesanstalt eine Bundesagentur machte, aus Beamten Dienstleister, aus Arbeitslosen Kunden. Die andere Reform, Hartz IV, machte aus dem Recht auf Arbeit eine Pflicht zu arbeiten. Nur wer arbeitet, soll auch essen, bemühte damals der Sozialdemokrat Franz Müntefering die Bibel.

Seit den Reformen ist Arbeit wieder bis auf ihr ideologisches Skelett entblößt: Teil der Gesellschaft bist du nur, wenn du arbeitest. Die Arbeitsagenturen im Land sind insofern zwar Dienstleister, aber mit Monopol. Mit Sanktionen, Vollstreckungsgewalt gegen Säumige – die Nürnberger Bürokratie hat aufgerüstet. Nur das Gebäude sieht noch aus wie 1972.

 2014. Die Zeiten sind härter geworden. Neue Gebäude müssen her, kühler, entschiedener. Ein Maßanzug des neuen Selbstbewusstseins. Der BND zieht vom Münchner Vorort Pullach in die Mitte Berlins. Ein Geheimdienst, der an die Öffentlichkeit geht. Aber was will er mit den Palmen?

Mitte – Berliner Republik
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Seit 20 Minuten laufen wir durch Berlin, auf der Suche nach Palmen. Hinter einem dunkelbraunen Bauzaun Fenster überall. Wie verspiegelte Schießscharten graben sie sich in Sichtbeton und Metall. Gewundene Gebäudearme greifen nach zehn Hektar Berlin. Sieben Stockwerke über der Erde, eine unbekannte Zahl darunter, 250000 Quadratmeter Geschossfläche.

Den Schlüssel, um dieses Gebäude zu verstehen, besitzt Ulrich Brüschke. Der Nürnberger Künstler gewann die Ausschreibung für Kunst am Bau des BND mit zwei Funkmasten, die sich als Palmen tarnen. Diese Anlagen werden tatsächlich eingesetzt, damit die Menschen ihre Handys auch in den Wald mitnehmen können. In Kanada stehen künstliche Buchen, künstliche Palmen stehen gewöhnlich am Äquator. Wie nun als Palmen getarnte Antennen in der Zentrale eines Geheimdienstes kurz nach Snowden wirken – das ist Brüschke schon klar. „Ich musste mir anhören: Wie kannst du für die arbeiten?“, sagt er. „Aber heikle Themen reizen mich.“

Nach insgesamt 40 Minuten zu Fuß um das BND-Areal blicken wir auf eine Idylle. Ein Bach fließt an einer grünen Anhöhe vorbei, darauf eine Bank. Von dort blicken wir auf den Hinterhof des BND, eingerahmt von den beiden Palmen. Berlin-Tegel liegt ein paar Kilometer entfernt, die startenden Flugzeuge streifen beinahe die silberne Geheimdienstfassade. Flugzeuge hinter Palmen: Ein schönes Urlaubsbild. Flugzeuge hinter Sendemast-Palmen im Geheimdienst-Garten? Ruft Bilder von 9/11 wach.

Warum stellt ein Geheimdienst einen Bürokomplex mit 5200 Räumen nach Berlin-Mitte? Warum hält er sich mitten in der NSA-Krise Palmen im Hinterhof, die nur missverstanden werden können? Kurz: Was ist ein Geheimdienst, der an die Öffentlichkeit geht?

Das Gebäude soll uns Bürgern sagen: Die Zeit der Geheimnistuerei ist vorbei. Der BND, eine Institution, die sich jahrzehntelang verborgen hielt, hält nun dem Blick von außen stand. Im Kalten Krieg war der BND unsichtbar und der Feind hatte ein Gesicht. Heute ist es andersherum: Transnationaler Terrorismus und Cyberkriminalität können überall sein – und der BND schaut aus 14000 Fenstern in alle Richtungen. Die Zeit der Geheimnistuerei ist vorbei – so will dieser Geheimdienst verstanden werden. Aber für wen ist sie vorbei? Durch verspiegelte Fenster schaut man nicht hinein, man schaut heraus. Keine Geheimnisse haben nur noch wir.

Die neue Macht ist ein Unbehagen.

Für einen Geheimdienst im 21. Jahrhundert hat Ulrich Brüschke das ideale Bild geschaffen. Palmen, auf den ersten Blick Anspielung auf die Zeiten, in denen Agenten in der Karibik Martini tranken. Auf den zweiten Blick verstört ihre offensichtliche Künstlichkeit. Der Lauschangriff ist Alltag geworden. So alltäglich, dass wir sogar darüber lachen können.

Die Macht ist immer subtiler geworden. Früher residierte sie in Palästen, irgendwann kämpfte sie nur noch gegen die Faulheit der Deutschen. Die Macht von heute aber existiert virtuell. Sie ist so subtil geworden, dass sie längst in unseren Köpfen wohnt. Eigentlich bräuchte sie keine großen Bauten mehr. Wenn sie trotzdem nach Berlin-Mitte zieht, und dabei gleich derart monumental wie der BND, dann macht sie das eigentlich fast sympathisch. Denn falls wir da etwas übersehen haben sollten: Nein, die Macht ist nicht verschwunden. Wir sollten sie nicht vergessen.  

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Autor

Philipp Daum

Für Dicke Dinger arbeitete Philipp Daum als Textchef und Autor. Zusammen mit Tobi Krone fuhr er gut 2000 Kilometer durch Deutschland. Wobei: Er ließ sich fahren. Denn er hat immer noch keinen Führerschein. Um sich zu revanchieren, nennt er Tobi seitdem nur noch "Mein Käpt'n".

Autor

Tobias Krone

Für Dicke Dinger legte Tobi mit Golf und Bahn rund 2171 Kilometer zurück. Er pendelte zwischen München und dem Chiemsee, um am eigenen Körper zu erleben, dass die Klinik-Portionen für Magersüchtige echt ordentlich sind. Zusammen mit Philipp Daum machte er eine Deutschland-Tour, der Macht auf den Betonspuren: Dabei traf er kritische Künstler, allwissende Blogger und wurde von pakistanischen Studenten zum Abendessen eingeladen.

Philipp DaumMachtwerke

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