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15. September 2015
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Ein Schaf ist für Elke Lampertsdörfer kein Problem, sie treibt jeden Tag 200 Tiere über ihre Weide (Foto: Judith Issig)

Herrin der Schafe

Ein lauter Aufprall schreckt Elke Lampertsdörfer auf. Eines ihrer Schafe ist ohnmächtig geworden und liegt regungslos auf der Straße. Der Grund: Ein Motorradfahrer, der an der Herde vorbeirauscht. Elke entspannt sich wieder. Sie weiß, in ein paar Minuten wacht das geschockte Schaf von ganz alleine wieder auf. Denn seit sie klein ist, treibt die 45-Jährige jedes Jahr 200 Schafe von der Weide ins Winterquartier. Ihr bester Mitarbeiter: Border Collie Simo, sieben Jahre alt. Hört er das Kommando „Geh raus!“, weiß er, was zu tun ist. Um die Schafe in die richtige Richtung zu führen, stupst er sie an oder zwickt ihnen in die Wolle. „Die Schafe haben Respekt vor dem Hund. Ohne ihn hat der Schäfer keine Chance“, sagt Elke.

 

Grit Ranft, 46, zeigt bei ihren Stadtführungen Touristengruppen die schönsten Ecken von München
Am Fischbrunnen am Marienplatz trifft sich Grit Ranft mit ihrer Touristengruppe (Foto: Stephanie Probst)

Meisterin der Gassen

„Solang der alte Peter am Petersbergerl steht, solang die grüne Isar durchs Münchner Stadterl geht…“, stimmt Grit Ranft die „Stadthymne“ Münchens an. Der Alte Peter ist der Lieblingsort der Stadtführerin. Die Kirche darf auf keiner ihrer Führungen fehlen. Dass ihr Gesang nicht immer auf Gegenliebe stößt, stört die 46-Jährige kaum. „Ich muss mich eben auf die Gruppe einstellen und ihr Interesse wecken“, sagt sie. Ihr größeres Problem: Niemanden in der Münchner Menschenmenge zu verlieren. „Die Leute zeigen ein Schwarmverhalten. Sie latschen ohne zu gucken hinter mir her“, weiß Grit. Ihr Gegenmittel: Knallige Farben und klare Anweisungen.

 

Norbert Grünleitner, 47, weist jährlich hunderttausenden Wiesn-Besuchern den Weg in die U-Bahn
Norbert Grünleitner hat die U-Bahn Station selten für sich alleine – ohne hunderttausende Wiesn-Besucher (Foto: Stephanie Probst)

Stimme der Theresienwiese

Dirndl, Lederhosen und Lederhosenträger stehen am Eingang des U-Bahnhofs Theresienwiese, mehr auf- als nebeneinander. Wiesn-Zeit. Alle sind seit Stunden hier, alle wollen nach Hause und alle sind genervt – es ist einfach nur eng. Norbert Grünleitner, der Herr in dem Pavillon, zwischen den zwei Gleisen, nimmt sein Mikro in die Hand. Seine Aufgabe: dafür sorgen, dass sich die Fahrgäste auf dem gesamten Gleis verteilen. Seit 14 Jahren, an 12 von 14 Wiesn-Tagen, dirigiert der 47-Jährige Hunderttausende. Seine Strategie: geht einer, gehen sie alle. Sein Mittel: Witz. Er lockt sie zu sich – mit Versprechungen und Komplimenten: „Kommen sie zu mir in die Mitte, hier ist Platz. Und ich würde so gern ihre Dirndl sehen.“

 

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Erst wenn alle Kinder sicher in der Schule sind, endet Angela Bachls Schicht (Foto: Claudia Steinert)

Heldin des Zebrastreifens

Angela Bachl ist schon von weitem gut zu sehen. Breitbeinig mit erhobener Kelle steht sie auf dem Zebrastreifen. Ihre neongelbe Weste reflektiert das Sonnenlicht. Hinter ihr bilden die Autos eine Schlange. Denn der Zebrastreifen vor der Grundschule in der Bergmannstraße in München ist ihr Revier. Als Schulweghelferin führt sie die Kinder sicher über die Kreuzung. Jeden Morgen von 7.30 bis 8 Uhr, seit elf Jahren. „Die Kinder kennen mich. Zu Weihnachten bekomme ich einen Keks aus ihrer Keksdose. Und wenn es ihnen schlecht geht, kommen sie oft zu mir“, sagt die 50-Jährige. Angela kennt fast alle in der Bergmannstraße. Für einen Plausch ist sie immer zu haben, doch die Kinder haben oberste Priorität.

 

Andrea Langer, 41, gibt in ihren Aerobic-Kursen bis zu 100 Leuten den Takt an
Andrea Langer läuft durch die Sporthalle, in die gleich 100 Studenten strömen (Foto: Marvin Strathmann)

Schöpferin der Muskeln

Fünf, Sechs, Sieben, Acht. Ein Schritt nach rechts. Linkes Bein kreuzt das rechte, drehen und Stop. Andrea Langer schaut in die Spiegelwand. Hinter ihr stehen rund 100 Mädchen in Sportklamotten. Seit fünfzehn Jahre tut sie sich das an: Verschwitzte Körper, die sich unbeholfen zu Hits von Rihanna oder Madonna bewegen. Ihre Aerobic-Kurse an der Universität München sind gefragt. Allerdings nur bei Mädchen. Jungs bekommt sie so gut wie gar nicht zu Gesicht. „Einmal hat mir ein Junge gesagt, dass er von meiner Musik Pickel bekommt“, erinnert sich die 41-Jährige. Doch solche Kommentare kümmern sie wenig. Ihre Herausforderung: Bis zu 100 Leute so koordinieren, dass sie ihre Choreografie verstehen. Ihr Ziel: Alle sollen Spaß haben und ein bisschen Quälerei darf auch nicht fehlen.

 

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Eduardo de la Calle steht kurz vor seinem Auftritt vor tausenden Clubbesuchern (Foto: Marvin Strathmann)

Tonangeber der Nacht

Um zwei Uhr in der Nacht ist Eduardo de la Calle hellwach. Ihn treibt seine Leidenschaft: Techno-Musik. Hinter seinem DJ-Pult beobachtet er die Massen sich bewegender Körper. Die Köpfe wippen im Takt der Musik. Seit 20 Jahren ist er ihr Dirigent. Seine Platten führten Eduardo in die Metropolen der Welt: Paris, Barcelona, Madrid oder Berlin. In jedem Land erwartet ihn eine andere Mentalität, ein anderes Verhältnis zur Musik. Doch sein Ziel bleibt das gleiche: „Ich möchte jede Seele berühren. Und die Musik ist mein Werkzeug dafür. Mit ihr gebe ich meine Stimmung an das Publikum weiter.“

Natalie Raida

Natalie Raida

Redakteurin, Anzeigen-Akquise
Nordlicht, das es durch das Studium erst nach Erfurt und dann ganz in den Süden, nach München verschlagen hat. Hat den Wunsch Sportjournalistin zu werden und diesen männerdominierten Bereich aufzumischen.
Natalie Raida

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Valerie Schönian

Valerie Schönian

Textchefin
In Magdeburg aufgewachsen, in Berlin studiert, für die DJS nach München gekommen. Durchforstet das Internet nach guten Geschichten für @ReportagenFM und besucht Bauernhöfe für die @SZ_Ebersberg.
Alle Kommaangaben sind ohne Gewähr.
Valerie Schönian

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