Generation Hä?
15. September 2015
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Sie gehören zu einer bestimmten Generation. Widerstand zwecklos. Sie könnten zu der „Generation Y“ gehören, den verweichlichten Arbeitsverweigerern mit Bachelor of Arts und dem Rückgrat einer Qualle. Oder noch schlimmer, zur „Generation X“, deren Mitglieder in ihren Reihenhäusern mit Burnout vor der Tagesschau sitzen. Währenddessen steht bereits die nächste Gruppe bereit. Die „Generation Z“ soll per WhatsApp vom Sofa aus unser Leben verschlimmbessern. Endlich haben wir ein Wort für die Versager von Morgen.

Und zum Glück endet das Deutsche Alphabet nicht beim 26. Buchstaben. Es folgt die „Generation Ä“, die Feuerwehrmann, Polizistin oder Tierarzt werden will und gerne ein Mittagsschläfchen hält. So lauten jedenfalls momentan verfügbare Prognosen über die heutigen Achtjährigen. Bei jeder neuen Generation konferieren Wissenschaftler, debattieren Politiker und schreiben Journalisten darüber, wie man am besten über die neue Schublade in drei Schlagworten schimpfen kann. Die fünf Wirtschaftsweisen beschäftigen sich momentan noch mit den Auswirkungen des Verhaltens der „Generation Ä“ auf die deutsche Industrie (Es sieht nicht gut aus).

Y, Null-Bock und Praktikum

Es müssen aber nicht immer Buchstaben sein und Soziologen sollten ja auch mal etwas Geld verdienen. So hat Opel den Begriff „Generation #UmdenkenimKopf“ gesponsert, während sich Nintendo die „Generation Luigi“ schnappte. Aber auch kreative Namen sind möglich, etwa die „Null-Bock-Generation“ oder die „Generation Praktikum“. Die sind eigentlich wie die „Generation Y“, hören sich aber cooler an. Wenn Sie jetzt noch das Wort „digital natives“ in den Mund nehmen, ist Ihnen die Anerkennung und der Neid der anderen Generationen sicher.

Sobald Sie ein Merkmal mit anderen Menschen teilen, etwa das Geburtsjahr oder ein bestimmtes Verhalten, werden Sie in eine dunkle Schublade voller Leidensgenossen gesteckt. Und das geht schnell. Mal wieder im Urlaub mit Tennissocken und Sandalen gewesen? „Generation Spießer“. Im Supermarkt grünen Tee gekauft? „Generation Konichiwa“. In einem Gespräch das Wort „Webseite“ verwendet? „Generation Neeeerd“. Heute ohne Sonnencreme unterwegs? „Generation Der Hautkrebs wird uns alle umbringen“. Bei Starbucks für zwölf Euro einen Grande, Iced, Sugar-Free, Vanilla Latte mit Soya-Milch bestellt? „Generation Volltrottel“.

Die Generation Günther Schneider

Doch manchen Menschen reicht das nicht, sie benötigen eine noch genauere Definition. So gibt es seit letztem Dienstag 18.42 Uhr die „Generation Günther Schneider“. Dazu gehören alle Menschen, die Günther Schneider heißen, am 18. Juli 1987 in Remscheid geboren und allergisch gegen Blattspinat sind. Außerdem ist diese Generation mega im Bett, meint Günther Schneider aus Remscheid. In der „Generation Günther Schneider“ hat der 28-Jährige seine individuelle Uniformität gefunden. Er verdammt bereits die nachfolgende Generation: „Wer nach dem 18. Juli geboren wurde, hört einfach nur schreckliche Musik, hat schlimme Manieren und trägt grässliche Kleidung.“

(Foto: epSos.de auf Flickr)

Marvin Strathmann

Marvin Strathmann

Stellv. Chefredakteur (Online)
Im Westen aufgewachsen, im Osten Medienwissenschaft studiert, im Süden Praktika bei Chip Online und Focus Online absolviert. Schreibt hauptsächlich über Digitales und ab und zu eine Glosse.
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