CAN’T BUY ME LOVE

URSULA

Probleme, sich dem anderen Geschlecht zu nähern? Metin Sen hilft. Nicht wie Hexe Ursula in Die kleine Meerjungfrau mit Magie. Der Flirtcoach will mit Stilberatung und Persönlichkeitstraining die Männlichkeit im Mann hervorbringen

Foto: Christian Simon
Foto: Christian Simon

Wer Pech in der Liebe hat, braucht keine Liebeszauber. Wer Pech in der Liebe hat, braucht etwas Geld und die Hilfe von Metin Sen. Er ist Flirtcoach und sein Basisprogramm ab 690 Euro zu haben. Die Erfolgsquote, mit der er normale Typen in Frauenschwärme verwandelt, beziffert er selbst auf 98 bis 99 Prozent.

Es ist nachvollziehbar, warum viele Männer etwas von ihm lernen wollen. Metin Sen sieht aus wie ein normaler Typ: Boxerschnitt, große Uhr, trainierter Bizeps. Doch wenn er sich bewegt und wenn er spricht, strotzt Sen vor Selbstbewusstsein. Seit mehr als zehn Jahren verdient er sein Geld als Verführungskünstler. Vor 20 Jahren hat Metin Sen mal etwas ganz anderes gelernt. Irgendwann fing er aber an, Wirtschaftscoachings zu geben – Auftreten für Manager, Gesprächsstrategien für Vertreter. Eine Ausbildung zum Flirtcoach gibt es nicht. Sein Wissen über Psychologie und Gesprächsführung hat er aus Büchern, Videos oder dem Internet. Heute arbeitet er hauptberuflich im Flirt- und Motivationscenter Augsburg, das er selbst gegründet hat.

„Am Anfang war ich überrascht, was für Leute mich teilweise aufgesucht haben“, sagt Sen. Gewöhnliche Leute, teilweise gut aussehend. Nicht das Klischee vom verzweifelten Loser oder pickeligen Abiturienten. Das Geld für ein Coaching muss man schließlich erst einmal mitbringen. Das Premium-Angebot kostet knapp 1000 Euro. Alle, die kommen, teilen dieselbe Hoffnung: endlich mehr Erfolg bei den Frauen. Endlich die bekommen, die man haben will.

Abgrenzen will sich Sen von den berüchtigten Pick-up-Artists, die mit den immer gleichen Sprüchen nur an schnellen Sex kommen wollen. „Die nehmen sich selbst und ihre Ziele viel zu ernst“, sagt er. Von Esoterikern, die mit Kartenlesen und Handauflegen echte Magie versprechen – manchmal für mehrere tausend Euro –, hält er auch nichts.

„Man muss meine Preise auch relativ sehen“, sagt Sen. Bei ihm geht es seriös zu. Bei seinen Coachings fängt er auch schon einmal mit Darwin an – ohne Biologie studiert zu haben. Es gebe Hardware und Software im Gehirn, die eine evolutionär bedingt, die andere sozial konstruiert. Erstere sorge nun einmal dafür, dass Frauen stets den besten Versorger suchen würden. Ein Mann müsse seine Angebetete also jeden Tag aufs Neue von seinem überlegenen Status überzeugen. Umgekehrt sei Männern der Status einer Frau völlig egal. Seine Kunden berät er deshalb vor allem dabei, zu „besseren Männern“ zu werden. Stilberatung ist im Preis inbegriffen.

„Manche Menschen verlassen sich viel zu sehr auf ihr Äußeres“, sagt Sen trotzdem. Um interessant zu sein, müsse der Mann vor der Frau immer „alpha“ bleiben, ihr also nie zu 100 Prozent gehören. Und das sei etwas, das jeder lernen könne.

Auch andere Dienstleistungen bietet Metin Sen an, etwa das Ex-zurück-Telefoncoaching. Die Elemente der Verführungskunst sollen hier helfen, einen Expartner zurückzugewinnen. Ein ehemaliger Kunde, der anonym bleiben will, erzählt, wie er 75 Euro die Stunde für die Telefongespräche ausgab – insgesamt knapp 700 Euro. Ohne Erfolg. „Erfolgsgarantien sind blöde Werbeversprechen“, sagt Metin Sen. Er könne schließlich nicht hexen.