„HMMM… KNUSPERHÄUSCHEN!“

Über Prominente wird viel erzählt. Sechs von ihnen sprechen über die Gerüchte, die sich um sie ranken, und ihre liebsten Märchenmomente

Reiner Calmund, 67, Fußballmanager

Foto: S.Pick
Foto: S.Pick

Welche Märchenfigur wären Sie gerne?
Ich wäre gerne einer der Bremer Stadtmusikanten gewesen, zumal ich in meiner Jugendzeit aktiv Musik machte. Ich habe bis Anfang 20 Akkordeon gespielt und bin mit meiner Band bei Veranstaltungen aufgetreten.

Welcher Bösewicht aus einem Märchen wären Sie gerne?
Die Hexe aus „Hänsel und Gretel“. Aber nur, weil sie ein Knusperhaus hatte…Mhhhhmmm…lecker!

Was ist das dreisteste Märchen, das je über Sie erzählt wurde?
Als „Mann mit dem Geldkoffer“ wurde ich ja fast zur Legende. Wenn ich mit meinem Aktenkoffer kam, dachten viele Journalisten, da sei Bargeld drin, mit dem ich auf der Stelle Berater und Spieler, Präsidenten und Manager und überhaupt jeden bezahle. Das war natürlich ausgemachter Quatsch. Vor allem bei den vielen Transfers in Südamerika hätte das tödlich enden können. Ich bin zwar schon alt, aber bereits damals bevorzugten wir den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Also: In diesem Koffer waren Akten, Musterverträge, wichtige Unterlagen und immer ein
Kartenspiel.

Wann in Ihrem Leben haben Sie sich wie im Märchen gefühlt?
Als die Adoption unserer Tochter Nicha endgültig durch war, war das für uns ein Märchen. Inklusive Prinzessin!

Auf welchen Märchenmoment warten Sie noch?
Auf die deutsche Meisterschaft für Bayer Leverkusen. Ich würde es meinem Ex-Klub von Herzen gönnen.

Welches Märchen würden Sie gerne glauben?
Da sind wir wieder bei den „Bremer Stadtmusikanten“. Dass die Alten, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, am Ende glücklich und zufrieden leben können – das wäre doch märchenhaft, oder?


Rufus BeckRufus Beck, 59, Schauspieler und Sprecher der Harry-Potter-Hörbücher

Welche Märchenfigur wären Sie gerne und warum?
Hänsel oder Gretel. Die Geschichte erinnert an einen Stephen King Roman und an den Film „Schweigen der Lämmer“. Der Schrecken wird mit einem Lebkuchenhaus versüßt. Und zu zweit ist es einfach schöner – auch in der Märchenwelt.

Welcher Bösewicht aus einem Märchen wären Sie gerne und warum?
Bösewichte machen nur im Theater Spass, Franz Moor in den Räubern zum Beispiel oder Richard II bei Shakespeare. Es geht um die menschlichen Abgründe, die großen emotionalen Themen Eifersucht, Neid, Hass, Macht, Eitelkeit. Im Märchen wird dem Bösen immer der Garaus gemacht: Die Hexe wird gegrillt, den bösen Stiefschwestern die Fersen abgeschnitten, der Hase zu Tode gehetzt. Das ist kein Spaß und sprichwörtlich blutiger Ernst. Ich bleibe also lieber beim Theater.

Was ist das dreisteste Märchen, das je über Sie erzählt wurde?
Ich begreife mich mit allem, was ich künstlerisch mache, als Geschichtenerzähler. Die Geschichten, die man vielleicht über mich erzählen sollte, interessieren mich wenig.

Wann in Ihrem Leben haben Sie sich wie im Märchen gefühlt?
Wenn ich im „Tabaluga“-Musical die Rolle des Magiers gespielt habe, fühlte ich mich wie im Märchen unter lauter Märchenfiguren. Der Magier ist Clown, vom Himmel herabgefallener Engel, Freund und Ratgeber des kleinen Drachen Tabaluga.

Auf welchen Märchenmoment warten Sie noch?
Dass dieser Märchensatz wieder wahr wird: „Zu Zeiten als das Wünschen noch geholfen hat…“

Welches Märchen würden Sie gerne glauben?
Das Märchen vom Paradies, vom ewigen Frieden, vom Glück auf Erden und einem todsicheren Happy End.


Daniela Hoffmann, 53, Schauspielerin und Synchronstimme von Julia Roberts.

Foto: Heike Kindermann
Foto: Heike Kindermann

Welche Märchenfigur wären Sie gerne und warum?
Ich wäre gerne mal eine Prinzessin. Das wollte ich schon als kleines Kind, obwohl ich gar nicht so eine Kitschbombe bin. Da ging es nie darum, Macht zu haben oder über anderen zu stehen. Aber all diese schönen Reifröcke und die Feenstäbe und Krönchen… Das fand ich so schön.

Welcher Bösewicht aus einem Märchen wären Sie gerne und warum?
Rumpelstilzchen, weil der einfach putzig und lustig ist. Aber ich bin nicht gerne böse, ich bin sehr harmoniesüchtig und streite mich sehr ungern. Deswegen wäre ich auch kein guter Bösewicht.

Was ist das dreisteste Märchen, das über Sie erzählt wurde?

Im Wikipedia-Artikel über mich stand mal drin, dass ich die Tochter des ehemaligen DDR-Kulturministers Hans Joachim Hoffmann bin. Das hat eine Regisseurin bei einer Veranstaltung der Deutschen Film AG erzählt, die mich überhaupt nicht kennt. Völlig gelogen! Es kann ja nur mit dem Namen zusammenhängen. Nun ist Hoffmann ein Name, der nicht wahnsinnig selten vorkommt. Aber ich bin ja auch nicht die Tochter von Getränke Hoffmann oder Hoffmanns Gardinenweiß! Das war eins der größten und dreistesten Märchen, die über mich erzählt wurden.

Wann haben Sie sich wie im Märchen gefühlt?
Es sind die kleinen Momente. Wenn ich durch den Wald gehe und denke: „Bin ich jetzt ganz allein?“ Wenn ich die alten Bäume sehe und denke, da kommen gleich Hänsel und Gretel um die Ecke.

Auf welchen Märchenmoment warten Sie noch?
Im Lotto gewinnen wäre nicht schlecht. Aber ich warte nicht auf den einen Märchenmoment. Ich lebe im Hier und Jetzt.

Welches Märchen würden Sie gerne glauben?

An das Märchen, dass alle Menschen gleich sind – was sie ja auch sind! Dass es keine Kriege mehr gibt, daran würde ich gerne glauben. Aber eigentlich glaube ich nicht dran.


Wolfgang Hohlbein, 63, Fantasy-Buchautor

Foto: www.hohlbein.de
Foto: www.hohlbein.de

Welche Märchenfigur wären Sie gerne und warum?
Ich glaube, Hans im Glück. Der ähnelt mir ein bisschen: Immer neugierig, manchmal ein bisschen tölpelhaft. Er tat mir immer leid, weil alles, was er versucht hat, schief gegangen ist. Ich kenne das Gefühl, wenn man die besten Absichten hat und es trotzdem nicht klappt.

Welcher Bösewicht wären Sie gerne?
Rumpelstilzchen, der hat was Sympathisches. So ein kleiner gehässiger Zwerg, warum nicht?

Was ist das dreisteste Märchen, das je über Sie erzählt wurde?
Es gab mal die Legende, dass ich Lehrer wäre und irgendwann den Beruf hingeschmissen hätte. Ich weiß nicht, wie die aufgekommen ist. Die Geschichte hat sich aber nicht lange gehalten. Da bin ich ganz glimpflich davon gekommen.

Wann haben Sie sich wie im Märchen gefühlt?
Als meine Karriere gestartet ist. 1982 habe ich bei einem Wettbewerb des Ueberreuter Verlags mitgemacht. Der Augenblick, als das Telefon klingelte und ich erfuhr, dass ich gewonnen habe und mein Buch Märchenmond verlegt wird, war ganz besonders. Mein Leben hat sich vollkommen verändert. Natürlich nicht wie im Märchen mit einem Fingerschnippen oder Zauberspruch, es hat schon eine ganze Weile gedauert. Aber das war der Augenblick, in dem ich gemerkt habe: Jetzt passiert was ganz Wichtiges.

Auf welchen Märchenmoment warten Sie noch?
Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Sicher gibt es tausend Orte auf der Welt, die ich noch sehen möchte. Sollte ich 150 Jahre alt werden, werde ich aber genau das Gleiche sagen. Gern würde ich nochmal nach Chichén Itzá, diese alte Mayahauptstadt in Lateinamerika. Ich war mal mit einer Touristengruppe da. Dort wird man so durchgescheucht, sitzt nach einer Stunde wieder im Bus. Ich würde mich gern zwei Tage in Ruhe umschauen. Man kennt die Bilder aus dem Fernsehen. Aber wenn man vor diesen riesigen majestätischen Gebäuden steht, kommt man sich ganz klein und winzig vor. Das hat mich mit Ehrfurcht erfüllt.

Welches Märchen würden Sie gerne glauben?
Natürlich alle, die gut ausgehen. Die Geschichte Die sieben Schwäne war immer eins meiner Lieblingsmärchen. Weil das eine Geschichte von Tapferkeit und Mut ist und davon, dass man nie aufgeben soll. Und weil sie gut ausgeht. Zu einem anständigen Märchen gehört ein Happy End.


Jan Weiler, 48, Journalist und Buchautor

Foto: Tibor Bozi
Foto: Tibor Bozi

Welche Märchenfigur wären Sie gerne?
Ich wäre gern Schneewittchen: Man hat eine sensationelle Figur, alle finden einen toll, die Hälfte der Geschichte verbringt man schlafend und am Ende wird man von einem steinreichen und gutaussehenden Prinzen gerettet. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Fabelhaftes Leben.

Welcher Bösewicht aus einem Märchen wären Sie gerne und warum?
Rumpelstilzchen. Sagenhafter Name und method-acting-technisch eine große Herausforderung. Außerdem gute Dialoge. Ich liebe Rumpelstilzchen.

Was ist das dreisteste Märchen, das je über Sie erzählt wurde?
Es hieß schon mal, ich sei arrogant. Totaler Quatsch. Das sieht nur von unten betrachtet so aus.

Wann haben Sie sich wie im Märchen gefühlt?
Beim Schnorcheln auf den Malediven. Etwas so unwirklich Schönes habe ich weder vorher noch danach jemals erlebt.

Auf welchen Märchenmoment warten Sie noch?
Auf die Verleihung des Nobelpreises an mich. Und zwar im Fach Physik

Welches Märchen würden Sie gerne glauben?
Ich finde, Märchen sind nicht zum dran glauben da. Sie müssen unglaubwürdig sein, sonst sind es keine.


Jürgen von der Lippe, 68, Musiker und Entertainer

Foto: André Kowalski
Foto: André Kowalski

Welche Märchenfigur wären Sie gerne und warum?
Hänsel, denn der wurde von der Hexe auf hohem Niveau gemästet und dann von der Schwester befreit, perfekt.

Was ist das größte/dreisteste Märchen, was je über Sie erzählt wurde?
Da hab ich wirklich irgendwann mal aufgehört, mir das zu merken.

Auf welchen Märchenmoment warten Sie noch?
Ich kann essen und trinken, was ich will, ohne zuzunehmen. Titel: „Der kleine König Nimmersatt“.

Welches Märchen würden Sie gerne glauben?
„Die Renten sind sicher“ und „Alle Menschen werden Brüder“.