Der Wichser

Text: Xaver von Cranach
Foto: Hannah Senoner

Wichsen muss erotisch werden. Weg vom Loser, der sich einen runterholt, weil er keine abkriegt. Weg vom Taschentuch, das schuldbewusst voll gespermt wird. Wichser müssen sich selbst genießen. Der Wichser ist nicht erbärmlich und schon gar nicht aggressiv. Er ist friedlich, weil er alle in Ruhe lässt außer seinen Schwanz. Frauen masturbieren erotisch. Und wenn es erst der männliche Blick war, unter dem sie sich räkelnd zwischen die Beine fassen mussten – jetzt können sie es ganz alleine tun. Männliche Sexualität muss deeskaliert werden. Deshalb müssen Männer einsehen, dass sie sich selbst befriedigen können, ohne lächerlich zu sein. Indifferent gegenüber der Außenwelt, denn der Wichser ist cool. Der selbstbewusste Mann besorgt es sich auch selbstbewusst. Das Wort wichsen muss neu besetzt werden. Aber um Konnotationen zu ändern, müssen alternative Bilder her.

Deshalb

Der Wichser als Pionier. Der Wichser als Experte. Der Wichser als Genießer. Der Wichser als Exot.

Der Wichser als Forscher. Der Wichser als Streichler. Der Wichser als Connaisseur.

Der Wichser als Haarspülung. Der Wichser als Pinsel. Der Wichser als Ich, nur besser. Der Wichser als Portier. Der Wichser als Künstler. Der Wichser als autoerotisches Subjekt. Der Wichser als Luxus. Der Wichser als Tagedieb. Der Wichser als Auszeit. Der Wichser als Bärenfell. Der Wichser als Samtkissen. Der Wichser als Träumer. Der Wichser als Tänzer.